M

Inhaltsverzeichnis

Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

Fragen zur Hochsensibilität? Buche mich.

04881 286 99 71

Den meis­ten Hoch­sen­si­blen wur­den nicht nur diverse Ängste ange­bo­ren, die sie bewäl­ti­gen müs­sen, son­dern auch noch ein Hang zum Per­fek­tio­nis­mus. Hier kommt wie­der die Bau­plan-Theo­rie ins Spiel. Wir erken­nen instink­tiv sowohl die Wahr­heit als auch die opti­male Form der Dinge. Egal ob es sich dabei um all­täg­li­che Gegen­stände, Kunst­werke, Bezie­hun­gen, Leis­tun­gen oder Vor­stel­lun­gen geht. Wir sehen, wie sie beschaf­fen sein soll­ten und ori­en­tie­ren uns am Bes­ten, das erreich­bar wäre.

Da wir es erkannt haben, den­ken wir, dass es auch so umge­setzt wer­den muss. Wir miss­ach­ten dabei, dass in die­ser Welt nichts per­fekt ist. Keine Part­ner­schaft ist so, wie sie sein sollte, kein Gegen­stand erlangt seine opti­male Form oder Funk­ti­ons­weise, kein Kunst­werk ist ohne Feh­ler, keine Leis­tung und keine Vor­stel­lung erreicht ihr Opti­mum, wir kön­nen nie­mals alle unsere Feh­ler besei­ti­gen. Auch und gerade nicht in der Selbstentwicklung.

Durch den Per­fek­tio­nis­mus scha­den wir uns nur selbst. Wir stre­ben nach Unerreichbarem.

Oft sehen wir das Per­fekte als Bild vor unse­rem geis­ti­gen Auge und wis­sen bereits, dass wir es so nicht errei­chen kön­nen. Dann gibt es wie so oft zwei Mög­lich­kei­ten. Die erste Option ist die Auf­gabe. Wir gehen erst gar nicht daran, unsere Vor­stel­lung umzu­set­zen. Wir wis­sen, dass wir nie­mals so genau arbei­ten kön­nen. Wir wis­sen, dass wir nie­mals die Mit­tel haben wer­den, die­ses Ziel zu errei­chen. Das ist auch kein Wun­der, da das Ziel nicht erreich­bar ist. Wenn ich die Idee für ein wun­der­vol­les Lied habe und es gerade noch ver­mag, es in ein Auf­nah­me­ge­rät zu sum­men, jedoch kein Instru­ment spie­len kann, dann lass ich es lie­ber gleich. Anstatt zu begin­nen, ein Instru­ment zu ler­nen und mich nach und nach an die Melo­die heran zu arbei­ten, ver­werfe ich die Idee gleich wie­der. Ich lasse mich von mei­ner Per­fek­tion davon abhal­ten, ein Instru­ment zu ler­nen, damit ich viel­leicht irgend­wann ein­mal diese wun­der­vol­len Klänge zumin­dest annä­hernd ähn­lich aus mei­nem Kopf in die Welt trans­por­tie­ren kann. Durch den Per­fek­tio­nis­mus las­sen wir uns nur allzu häu­fig von den Din­gen abbrin­gen, die wir gerne tun würden.

Die zweite Mög­lich­keit besteht darin, bis zur Erschöp­fung einen unmög­li­chen Auf­wand zur Per­fek­tio­nie­rung unse­rer Fähig­kei­ten zu betrei­ben. In der Hoff­nung, das ulti­ma­tive Lied doch noch spie­len zu kön­nen. Ich beginne, das Spiel auf der Gitarre zu ler­nen, aber es ist hoff­nungs­los, da ich nicht die Erfolge erziele, die ich mir vor­stelle. Anstatt mich nun mit den lang­sa­men Fort­schrit­ten abzu­ge­ben und ein­fach Freude am Ler­nen und Spie­len zu emp­fin­den, bin ich immerzu frus­triert, weil ich mei­nem Ziel nicht adäquat näher­komme. Anstatt die Lie­der, die ich auf dem Weg zu mei­nem ein­zig­ar­ti­gen Lied spiele zu lie­ben, kon­zen­triere ich mich nur dar­auf, wie schlecht ich bin. Andere Men­schen kön­nen mir ruhig sagen, wie toll sie die ande­ren Lie­der fin­den, die auf dem Weg ent­ste­hen. Doch es ist nicht das, was ich will. Ich werde sogar noch unge­hal­ten gegen­über den Men­schen, die meine Lie­der mögen. Wenn ich fest­stelle, dass die Gitarre nicht das rich­tige Instru­ment ist, das meine Musik aus­drü­cken kann, lerne ich noch Kla­vier, Geige und Trom­pete. Dann meis­tere ich die Kunst des Kom­po­nie­rens und werde zudem noch Diri­gent eines Orches­ters. Doch auch so kann ich ein­fach nicht haar­ge­nau die Noten auf­schrei­ben, die mir vor­schwe­ben. Zudem spie­len immer wie­der Men­schen in mei­nem Orches­ter nicht so, wie ich es mir vor­stelle. Die Schraube dreht sich immer wei­ter nach oben, bis mir die Ener­gie aus­geht und ich nicht mehr fähig bin, mein Ziel zu verfolgen.

Das ist ein gro­ßes Bei­spiel, ver­deut­licht aber die Trag­weite von Per­fek­tio­nis­mus. Es gab große Künst­ler, die von die­sem Gedan­ken getra­gen, wun­der­volle Kunst­werke geschaf­fen haben, jedoch nie das eine per­fekte, das sie erschaf­fen wollten.

Per­fek­tio­nis­mus ist nicht unser Freund, ganz im Gegen­teil. Es ist eine Eigen­schaft, die wir schnell los­las­sen soll­ten. Er hin­dert uns in jed­we­der Aus­prä­gung daran, dass wir die Dinge tun, die uns wirk­lich lie­gen und derer wir uns anneh­men wollen.

An die­ser Stelle möchte ich ein­mal das Pareto-Prin­zip vor­stel­len: Vilf­redo Pareto hat fest­ge­stellt, dass 80 % des Ergeb­nis­ses mit 20 % des maxi­ma­len Auf­wands erreicht wer­den kön­nen. Die rest­li­chen 20 % bedür­fen 80 % des Auf­wands. Dies ver­hält sich pro­gres­siv: je näher man an das Ergeb­nis her­an­reicht, desto ungleich höher wird der Auf­wand. Also um 90 % zu errei­chen, benö­tigt es 50 % Auf­wand. 95 % Erfolg kos­ten 85 % Auf­wand usw. Um 100 % zu errei­chen, steigt der Auf­wand ins Uner­mess­li­che und wird uner­reich­bar. Bevor du die 100 % erreichst, wirst du an dem Ver­such zu Grunde gehen. Es ist also nicht mach­bar. Erset­zen wir das Wort Auf­wand durch Ener­gie. Dann wird offen­bar, warum wir uns oft so ener­gie­los füh­len, wenn wir einer Sache nach­hän­gen, die wir per­fekt lösen wol­len. Die Men­schen um uns herum sind jedoch all­zeit mit 50 bis 80 % unse­rer Leis­tung zufrie­den. Du darfst nicht ver­ges­sen, dass wir in glei­cher Zeit mehr leis­ten als Nor­mal­sen­si­ble und unsere 100 % unge­fähr 200 % der Leis­tung in der­sel­ben Zeit eines Nor­mal­sen­si­blen ent­spricht. Bevor sich jemand her­ab­ge­setzt fühlt oder als jemand Bes­se­res, muss ich gleich hin­zu­fü­gen, dass wir natür­lich län­gere Ruhe­pau­sen benö­ti­gen. Wenn man nun die Zeit der Tätig­kei­ten und Ruhe­pau­sen mit Nor­mal­sen­si­blen gleich­setzt, kommt in etwa die­selbe Gesamt­leis­tung her­aus. Unser Leis­tungs­an­spruch an uns selbst bleibt jedoch bei die­sen 200 %. Des­we­gen sind unsere 80 % meis­tens mehr, als die Men­schen von uns erwar­ten. Selbst 60 % wür­den in den aller­meis­ten Fäl­len genü­gen. Mit der Redu­zie­rung der Ansprü­che an uns selbst gewin­nen wir also nicht nur 80 % Ener­gie, son­dern auch noch 80 % Zeit, die wir für andere Dinge ver­wen­den kön­nen. Zum Bei­spiel für Liebe und Erholung.

Wer es nicht schafft, sei­nen Per­fek­tio­nis­mus los­zu­las­sen, wird sich immer selbst im Weg ste­hen und behin­dern oder sich davon abhal­ten etwas zu begin­nen. Schlimms­ten­falls begibt man sich in einen Kreis­lauf der Beses­sen­heit, der in psy­chi­schen Stö­run­gen bis hin zum Wahn­sinn oder in schwe­ren kör­per­li­chen Krank­hei­ten enden kann.

Das Los­las­sen folgt hier dem­sel­ben Prin­zip wie bei Angst und Mate­ri­el­lem. Genau hin­schauen, sich selbst ein­ge­ste­hen, wie sinn­los das Stre­ben nach Per­fek­tion ist, und akzep­tie­ren, dass weni­ger Ein­satz und ein 80 % Ergeb­nis aus­rei­chen. Du kannst nicht per­fekt sein und du musst es auch nicht. Außer dir selbst erwar­tet es nie­mand von dir. Wenn doch, ist diese Per­son krank­haft per­fek­tio­nis­tisch und du soll­test über­le­gen, ob du ihr nach­stre­ben möchtest.

<Ängste Unge­duld> 

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fortfahren.

Vielen Dank an über 45.000 Leser!
Taschenbuch
Taschenbuch Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Gleich bestellen

Ebook Kaufen bei Amazon.de
Das Taschenbuch bei Buch24.de kaufen
Das Taschenbuch bei Buchkatalog kaufen

Oder Ihrem Lieblingsbuchhändler die ISBN-Nummer geben und das Buch bestellen:
978-3-7448-3476-6

E-Book
Cover von Achtsam zum Urvertrauen auf einem Tablet

Gleich bestellen

Ebook Kaufen bei Amazon.de
Das Taschenbuch bei Buch24.de kaufen