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Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

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Sensorik

Essen­zi­ell wich­tig für Hoch­sen­si­ble ist es zu wis­sen, wie sie funk­tio­nie­ren. Da bei jedem Hoch­sen­si­blen die Sinne unter­schied­lich stark ange­spro­chen wer­den, gilt es her­aus­zu­fin­den, wel­cher Sinn wie stark aus­ge­prägt ist. Nur wenn man begreift, auf wel­chen Wegen es zu Über­rei­zun­gen kommt, kann man ent­spre­chend gegen­steu­ern und die Über­rei­zung gezielt abbauen.

Über­rei­zung ist der größte Nach­teil der Hoch­sen­si­blen, an dem viele andere Effekte ankop­peln. Eine Über­rei­zung fin­det immer dann statt, wenn mehr Reize auf­ge­nom­men wer­den, wie ver­ar­bei­tet wer­den kön­nen. Sie wirkt sich auf unter­schied­li­che Weise aus. Bei mir häu­fig in einer Art Völ­le­ge­fühl im Kopf und dem Bedürf­nis, mich an einen ruhi­gen, dunk­len Ort zu ver­krie­chen. Wenn meine Haut von Berüh­run­gen über­satt ist, mag ich nicht mehr berührt wer­den. Wenn meine Ohren zu vie­len Geräu­schen, wie zum Bei­spiel Gesprä­chen und Tele­fo­na­ten, aus­ge­setzt war, mag ich nichts mehr hören. Wenn ich zu viel betrach­tet oder gele­sen habe, möchte ich mit geschlos­se­nen Augen auf der Couch lie­gen und lie­ber etwas hören. Manch­mal will ich auch ein­fach nur voll­kom­mene Ruhe.

Wer­fen wir nun ein­mal einen Blick auf die Sinne, die uns zur Ver­fü­gung stehen.

Unser Kör­per ver­fügt über 5 Haupt­sinne, auch Sen­so­ren genannt:

  1. Sehen (visu­el­ler Sensor)
  2. Hören (audi­tiver Sensor)
  3. Rie­chen (olfak­to­ri­scher Sensor)
  4. Schme­cken (gusta­to­ri­scher Sensor)
  5. Tas­ten (tak­ti­ler Sen­sor) auch Gefühl auf der Haut, wenn man berührt wird

In der moder­nen Phy­sio­lo­gie wer­den noch 4 wei­tere Sinne genannt:

  1. Tem­pe­ra­tur­sinn (Ther­mo­re­zep­tion)
  2. Schmerz­emp­fin­dung (Nozi­zep­tion)
  3. Gleich­ge­wichts­sinn (Ves­ti­bu­lä­rer Sinn)
  4. Kör­per­emp­fin­dung und Tie­fen­sen­si­bi­li­tät (Inter­zep­tor)
    Hier geht es zum einen um das Gefühl für die inne­ren Organe (Kör­per­emp­fin­dung) und das Gespür für die Rezep­to­ren an Mus­keln, Seh­nen und in Gelen­ken (Tie­fen­sen­si­bi­li­tät). Die Tie­fen­sen­si­bi­li­tät ist für alle Bewe­gun­gen, das Grei­fen und Fest­hal­ten erfor­der­lich. Sie lie­fert Infor­ma­tio­nen über Bewe­gungs­ge­schwin­dig­keit, Lage des Kör­pers (ste­hend, sit­zend, lie­gend, usw.) und den Abstand und Lage der Glied­ma­ßen im Ver­hält­nis zum Kör­per. Tän­zer, Akro­ba­ten, Jon­gleure, Musi­ker, Seil­tän­zer, Sport­ler, Berg­stei­ger und Fahr­rad­fah­rer brau­chen eine aus­ge­prägte Tiefensensibilität.
  5. Ich möchte hier noch einen wei­te­ren Sinn hin­zu­fü­gen den empa­thi­schen Rezeptor.

Diese ins­ge­samt zehn Sinne kön­nen über unter­schied­lich starke Fil­ter ver­fü­gen. Bei Nor­mal­sen­si­blen sind diese so gestal­tet, dass die für sie momen­tan unwich­ti­gen Reize der jewei­li­gen Sinne aus­ge­blen­det werden.

Für die ein­zel­nen Sinne könnte das wie folgt aussehen.

Bei­spiel: Ein Besuch in einem Restaurant

  1. Sehen: Wenn ich mit jeman­dem essen gehe, dann schaue ich nur meine Beglei­ter an und sehe nur ihn oder sie. Die Umge­bung darum herum ist mir voll­kom­men egal. Dar­auf ver­schwende ich kei­nen Gedan­ken, außer jemand drängt sich aktiv in mein Blick­feld. Etwa, wenn der Kell­ner das Essen vor mir abstellt.
  2. Hören: Wenn jemand mit mir spricht, dann nehme ich nur dessen/deren Worte wahr. Die rest­li­chen Geräu­sche igno­riere ich auto­ma­tisch, da sie irrele­vant sind, außer jemand ver­an­stal­tet sehr viel Lärm. Zum Bei­spiel der Kell­ner lässt ein Glas fallen.
  3. Rie­chen: Das Essen riecht ganz wun­der­bar. Der Duft, den mein Gegen­über aus­sen­det, ist nun ver­blasst und wird vom Essens­ge­ruch über­la­gert und ersetzt. Ich nehme meis­tens nur starke Gewürze wie Chili, Curry, Mus­kat und Zimt wahr. Alles andere ver­mischt sich zu »gutem« und »schlech­tem« Geruch.
  4. Schme­cken: Das Essen schmeckt wirk­lich gut. Hawaii­pizza geht ja auch immer. Sie schmeckt ja auch bei­nahe über­all gleich, wenn nicht jemand zu viel gesal­zen oder gepfef­fert hat. Ein­zelne Nuan­cen schme­cke ich nicht her­aus, son­dern nur eine Mischung, die ich bewer­ten kann.
  5. Tas­ten: Nach dem Essen nehme ich die Hand meiner/s Partners/in an. Dessen/deren Haut fühlt sich wie Haut an. Ich mache mir keine wei­te­ren Gedan­ken darüber.
  6. Tem­pe­ra­tur: Die Tem­pe­ra­tur ist wie in öffent­li­chen Räu­men üblich.
  7. Schmerz­emp­fin­den: Die Kopf­schmer­zen sind erträg­lich. Nach­her nehme ich eine Tablette.
  8. Gleich­ge­wicht: Mit mei­nem Gleich­ge­wicht ist alles in Ordnung.
  9. Kör­per­emp­fin­dung: Mit mei­nen Orga­nen ist alles in Ord­nung, die Lage mei­nes Kör­pers im Raum ist sta­bil und wie erwartet.
  10. Empa­thie: Mei­nem Gegen­über scheint es gut zu gehen. Er/Sie äußert sich nicht zu seinem/ihrem Zustand.

Nun schil­dere ich die­selbe Szene aus Sicht eines Hoch­sen­si­blen, bei dem alle Sinne aus­ge­prägt sind. Davon gibt es wahr­schein­lich nur sehr wenige. In Wirk­lich­keit wird jede HSP nur einen Teil davon wahrnehmen.

Bei einem Hoch­sen­si­blen sieht das womög­lich ganz anders aus:

  1. Sehen: Ich schaue mein Gegen­über an. Wäh­rend ich sei­nen Aus­füh­run­gen lau­sche, zie­hen die Gemälde an den Wän­den meine Bli­cke magisch an. Dann geht ein Kell­ner durch mein Gesichts­feld oder ein inter­es­san­ter Mensch, den ich mir genauer anschaue. Des Wei­te­ren bemerke ich die Anspan­nung im Gesicht mei­nes Gesprächs­part­ners, obwohl er von amü­san­ten Din­gen spricht. Wahr­schein­lich hat er Sor­gen, die er nicht mit mir tei­len möchte und sie des­we­gen lie­ber über­spielt. Die Bil­der sind wun­der­schön, ich frage mich, wel­che Stel­len der Welt sie abbil­den. Lei­der sind die Lam­pen hier zu hell, als dass ich mich wirk­lich wohl­füh­len könnte.
  2. Hören: Ich nehme das Gespräch wahr, in das mich mein Gegen­über ver­wi­ckelt. Am Nach­bar­tisch reden vier Män­ner über den anstren­gen­den Arbeits­tag, der hin­ter ihnen liegt und die anste­hende Fuß­ball­sai­son. Ihre Lieb­lings­ver­eine sind der HSV und Wer­der Bre­men. Hin­ter mir plant ein Pär­chen den gemein­sa­men Urlaub auf den Sey­chel­len und zwei Tische wei­ter ent­fernt tratscht ein Frau­en­club über die Ver­feh­lun­gen ihrer betrun­ke­nen Kerle auf der letz­ten Party. Zudem nervt mich das Sum­men der Kli­ma­an­lage oder das Brum­men der Heizung.
  3. Rie­chen: Die Hawaii­pizza riecht wun­der­bar, genauso wie die Pasta mei­nes Gegen­übers. Die Frau, die eben vom Frau­en­tisch zur Toi­lette an unse­rem Tisch vor­bei gegan­gen ist, trägt die­ses Par­fum, das ich so gerne mag. Dafür riecht der Kell­ner ein wenig nach Schweiß, kein Wun­der bei dem Stress, den er bei vol­lem Lokal hat. Wenn ich mich zum Essen über den Tel­ler beuge, steigt mir der Geruch des Pfef­fers und des Essigs in die Nase. Ich muss die Menage bei­sei­te­stel­len. In die­sem Restau­rant haben sie die Toma­ten­soße auf der Pizza Lieb­stö­ckel und Thy­mian gewürzt. Der Käse ist ein mit­tel­al­ter Gouda. Er hat einen kräf­ti­ge­ren Geruch.
  4. Schme­cken: Das Essen schmeckt toll, wie immer. Dies­mal hat es der Koch mit dem Basi­li­kum etwas über­trie­ben. Viel­leicht war das nicht mehr ganz frisch und musste weg. Ich pro­biere noch von der Pizza mei­nes Gegen­übers und stelle fest, dass auch bei sei­nen Belä­gen der mit­tel­alte Gouda tat­säch­lich bes­ser passt, als der junge. Der hat näm­lich fast kei­nen Eigen­ge­schmack. Die ver­wen­de­ten Paprika und Cham­pi­gnons sind ganz frisch, das ver­rät mir die Kon­sis­tenz. Meine Pizza war ein wenig zu lange im Ofen, wes­halb die Säure der Kom­bi­na­tion stär­ker zu Tage tritt. Außer­dem kom­men die leich­ten Röst­aro­men des dunk­len Bodens durch.
  5. Tas­ten: Meine Klei­dung fühlt sich gut an. Nichts stört mich daran. Alles ist glatt, nichts kratzt. Noch vor dem Essen fasse ich unbe­merkt das Tisch­tuch an, um mich zu ver­ge­wis­sern, aus wel­chem Stoff es gefer­tigt ist. Wahr­schein­lich Poly­es­ter, so wie es sich anfühlt. Die Ver­zie­run­gen sind auf­ge­druckt und erschei­nen nur optisch wie gestickt. Als ich die Hand mei­nes Gegen­übers nehme, fällt mir auf, dass er/sie sich die Hände dies­mal ein­ge­cremt hat. Die Haut fühlt sich viel wei­cher an, als beim letz­ten Mal. Er/Sie schwitzt leicht bei der Berüh­rung und zit­tert ein wenig.
  6. Tem­pe­ra­tur: Die Tem­pe­ra­tur ist ange­nehm, jedoch ein bis zwei Grad über mei­ner Wohl­fühl­grenze. Bei mir geht es ja nach dem Motto: Lie­ber zu kalt, als zu warm.
  7. Schmerz­emp­fin­den: Ich leide unter mode­ra­ten Kopf­schmer­zen und im lin­ken Teil des Rückens unter leich­ten Ver­span­nun­gen. Außer­dem sit­zen die Schuhe nicht rich­tig und drü­cken mir emp­find­lich gegen den Spann. Ich brau­che beque­mere Schuhe. Ich könnte dem­nächst Bauch­schmer­zen bekom­men. Eine leichte Span­nung bemerke ich bereits. Des­we­gen habe ich die leichte Pizza genom­men und nicht den Grill­tel­ler mit 5 Sor­ten Fleisch, schwe­rer Bra­ten­soße, Pom­mes und Salat.
  8. Gleich­ge­wicht: Mir ist ein wenig schwin­de­lig. Ent­we­der bahnt sich da eine Erkäl­tung an oder ich hatte zu viel Stress heute.
  9. Kör­per­emp­fin­dung: Mein Magen grum­melt ein wenig und ich spüre eine Unre­gel­mä­ßig­keit im Kreis­lauf. Mein Kör­per sitzt auf­recht und die Hände lie­gen auf dem Tisch. Ich spüre meine Füße deut­lich auf dem Fußboden.
  10. Empa­thie: Ich bemerke, dass mein Gegen­über besorgt ist. Er über­spielt es mit Humor und vor­ge­täusch­ter guter Laune. Der Kell­ner ist gestresst und weiß nicht, wo ihm der Kopf steht. Die vier Arbei­ter am Nach­bar­tisch sind frus­triert. Das Pär­chen, das in die Urlaubs­pla­nung ver­tieft ist, ist ent­spannt und nicht mehr frisch ver­liebt. Sie ken­nen sich wohl schon län­ger. Die läs­tern­den Frauen sind fröh­lich beschwingt und vol­ler Zuver­sicht. Sie genie­ßen den Abend. Als einer der Arbei­ter wütend über den Vor­ar­bei­ter schimpft, sinkt auch meine Laune. Jetzt öff­net sich mein Gegen­über und berich­tet von sei­nem Miss­ge­schick, wes­we­gen er einen schie­fen Haus­segen erwar­tet. Die Stim­mung ist ganz den Bach her­un­ter. Ich kann ihm/ihr zwar gute Tipps geben und er/sie ist erleich­tert, dafür geht es mir jetzt schlecht. Ich werde noch bis zum nächs­ten Mit­tag benö­ti­gen, die Emo­tio­nen alle abzu­bauen und zu verarbeiten.

Wäh­rend der nor­mal­sen­si­ble Essens­part­ner erleich­tert wei­ter­zieht, um sich die halbe Nacht in der Dis­ko­thek zu ver­gnü­gen, schleppt der Hoch­sen­si­ble sich nach­hause und beschließt, gleich zu Bett zu gehen, wo er über die Erleb­nisse des Abends nach­den­ken und noch eine Stunde an die Decke star­rend wach­lie­gen wird. Erschöpft schläft er um 22 Uhr ein.

Viel­leicht haben Sie das eine oder andere wie­der ent­deckt und kön­nen es nachvollziehen.

Bei den meis­ten HSP sind 2 oder 3 Sinne erwei­tert bzw. die Fil­ter die­ser Sinne nicht so ausgeprägt.

<Hoch­sen­si­bel gegen empfindlich Das große Staunen> 

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fortfahren.

Vielen Dank an über 50.000 Leser!

Taschenbuch
Taschenbuch Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Neuauflage folgt

Zur Zeit ist das Taschenbuch ausverkauft. Ich arbeite an einer erneuerten Fassung. Darin werden auch die Besonderheiten für hochsensible Kinder und Jugendliche beschrieben.

Das neue Buch wird unter dem Titel "Seelenweite Hochsensibilität" erscheinen und zum großen Teil die bisherigen Kapitel ebenfalls enthalten.

Die Webseite bleibt auf dem jetzigen Stand.

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