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Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

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Wie setze ich Hochsensible Mitarbeiter optimal ein?
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Vergangenheit

Jeder von uns hat in sei­ner Ver­gan­gen­heit Erleb­nisse hin­ter sich gebracht, die ihn bis zum heu­ti­gen Tag ver­fol­gen. Diese nega­ti­ven Ereig­nisse und ihre Fol­gen haben wir noch nicht abschlie­ßend ver­ar­bei­tet. Wir ste­hen den Per­so­nen, die diese Erfah­run­gen ver­ur­sacht haben, meist nega­tiv gegen­über und tra­gen ihnen nach, dass sie uns ver­letzt, oder uns in eine schlimme Lage gebracht haben. Zuerst ein­mal muss ich dazu sagen, dass dazu immer zwei Per­so­nen nötig sind: Der, der es tut und der, der es mit sich machen lässt. Selbst nichts tun und ertra­gen oder weg­schauen sind der Teil, den du ver­ur­sacht hast. Du trägst also in den meis­ten Fäl­len min­des­tens dei­nen Teil bei, gerade wenn du jetzt inner­lich empört auf­schreist. Wenn jemand dir zum Bei­spiel »weg­ge­stor­ben ist« und du dich »von ihm allein gelas­sen fühlst«, dann halte dir vor Augen, dass wir alle nur eine begrenzte Lebens­spanne haben und es deine Auf­gabe ist, den Weg­gang des­je­ni­gen zu ver­ar­bei­ten und ihn in Frie­den ruhen zu lassen.

Selbst wenn du kom­plett “schuld­frei” an einer Misere bist, ist es wich­tig für dich, das Gesche­hene zu ver­ar­bei­ten und es los­zu­las­sen. Denn eigent­lich geht es nicht um Schuld­zu­wei­sun­gen. Es geht darum, zu ver­ge­ben und loszulassen.

Alles, was in der Ver­gan­gen­heit schief ging, hat mit dazu bei­getra­gen, dass du der Mensch wur­dest, der du heute bist. Der Punkt JETZT ist immer der Start­punkt für Ver­bes­se­run­gen. Um dich aus dei­nen heu­ti­gen Ver­stri­ckun­gen zu lösen, musst du wohl oder übel die Ver­gan­gen­heit bewältigen.

Die Schuld für dein Elend soll­test du in kei­nem Fall aus­schließ­lich bei dei­nen Eltern suchen. Jeder begeht in sei­nem Leben viele Feh­ler, davon kannst du dich auch nicht frei spre­chen. Außer­dem bist du irgend­wann ein­mal im Laufe dei­nes Lebens erwach­sen gewor­den und trägst damit die volle Ver­ant­wor­tung für deine Wei­ter­ent­wick­lung selbst. Diese beinhal­tet eben­falls, dass du dich jeder­zeit ändern konn­test und kannst. Also gib dei­nen Eltern nicht die Schuld, dass du so bist, wie du bist. Die Psy­cho­ana­lyse macht es sich oft viel zu leicht, die »Schuld« immer nur in der Kind­heit zu suchen. Das ist tota­ler Quatsch. Deine wei­tere Ent­wick­lung hast du selbst mit zu ver­ant­wor­ten. Wenn du es bis­her nicht geschafft hast, dich von dem zu lösen, was deine Eltern dir vor­ge­lebt haben, oder wie sie dich erzo­gen haben, so ist es ganz und gar deine Sache. Ebenso ver­hält es sich mit den Din­gen, die dir deine Geschwis­ter »ange­tan« haben.

Es wird JETZT Zeit, dich zu lösen. Wenn du dazu eine Psy­cho- oder Trau­ma­the­ra­pie benö­tigst, dann küm­mere dich darum, dass du sie erhältst.

Eine Eigen­art, die viele Hoch­sen­si­ble mit sich her­um­tra­gen sind die »Inne­ren Eltern« und »Inne­ren Part­ner«, die zum Teil auch deine Ver­gan­gen­heit beherr­schen, aber auch in die Gegen­wart rei­chen. Des­we­gen haben sie ein eige­nes Kapi­tel erhalten.

Resü­mee: Solange du ande­ren die Schuld an etwas gibst oder eine Schuld im Außen suchst, hast du die Situa­tion noch nicht ver­ar­bei­tet. Schuld­zu­wei­sun­gen brin­gen dich nicht wei­ter, also kannst du diese auch gleich mit los­las­sen, wenn du schon dabei bist. Der ein­zige Mensch, der dar­un­ter lei­det, indem er ande­ren böse ist, bist du selbst.

Wie kann ich verarbeiten?

Wich­tig! (Des­we­gen noch­mal zur Wie­der­ho­lung:) Sollte es sich um Trau­mata han­deln, kon­sul­tiere bitte umge­hend einen Trau­ma­the­ra­peu­ten. Trau­mata kön­nen die wenigs­ten Men­schen selbst auf­lö­sen. Auch wenn dir das Trauma bekannt und bewusst ist, gibt es immer unter­be­wusste Ängste, die sich mani­fes­tiert haben und die du mit der Hilfe eines Pro­fis auf­ar­bei­ten musst.

Für alle »klei­ne­ren Kon­flikte« gilt Folgendes:

Halte es ein­fach. Mach dir eine Liste mit den Punk­ten dei­nes Lebens, die dir sauer auf­sto­ßen, über die du nicht gerne nach­denkst, die du nicht gerne noch­mal erle­ben wür­dest. Egal ob du das im Kopf notierst oder auf einem Zet­tel, gehe die Punkte nun nach und nach durch. Ver­ar­beite sie abschlie­ßend. Erlaube auch dir selbst zu ver­ge­ben, wenn du andere ver­letzt oder ihnen etwas ange­tan hast. Wie gesagt: Wir alle machen Feh­ler, nie­mand ist per­fekt und Ver­ge­bung ist eine unse­rer wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten. Soll­test du dich mit jeman­dem ver­kracht haben und dies bereuen, suche den­je­ni­gen doch viel­leicht ein­mal auf und ent­schul­dige dich bei ihm.

Wenn du die Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung nicht alleine schaffst: Ein guter Zuhö­rer aus dei­nem Freun­des­kreis mit guter Men­schen­kennt­nis, Empa­thie und gesun­dem Men­schen­ver­stand kann auch hel­fen, die Ver­gan­gen­heit zu bewältigen.

Oder suche dir einen guten Psy­cho­the­ra­peu­ten, der Gesprächs­the­ra­pien anbietet.

Für die Auf­ar­bei­tung von Erfah­run­gen, in denen Euch Men­schen ver­letzt haben, emp­fehle ich als Ergän­zung die Para­bel: »Ich bin das Licht! Der kleine Engel spricht mit Gott« von Neal Donald Walsch, die mir sehr gehol­fen hat, ver­schie­dene Aspekte mei­ner Ver­gan­gen­heit zu ver­ar­bei­ten. Auch Athe­is­ten und Agnos­ti­ker kön­nen aus der Geschichte einen Gewinn ziehen.

Der zweite Punkt betrifft die Kon­di­tio­nie­run­gen, die uns geprägt haben. Jeder von uns wird mit ver­schie­de­nen Regeln, Mei­nun­gen, Dog­men, gesell­schaft­li­chen Anfor­de­run­gen, freund­schaft­li­chen oder part­ner­schaft­li­chen Erwar­tun­gen und gän­gi­gen Ver­hal­tens­wei­sen kon­fron­tiert. Diese prä­gen uns teil­weise sehr stark. Sie for­men unsere Vor­stel­lung von dem, was wir dür­fen und nicht dür­fen, was von uns erwar­tet wird, was uns Men­schen zutrauen oder nicht und was wir zu tun und zu las­sen haben. Nor­mal­sen­si­ble igno­rie­ren viele die­ser Mus­ter. Wir hin­ge­gen nei­gen dazu, uns zu viele ein­zu­prä­gen und zu den uns­ri­gen zu machen. Wir kom­men den Erwar­tun­gen frei­wil­lig nach und wol­len uns dadurch anpassen.

Die gan­zen Erwar­tun­gen und Anfor­de­run­gen pas­sen häu­fig gar nicht zu unse­rem eigent­li­chen Wesen, son­dern fes­seln uns oder legen uns sogar in Ket­ten. Wenn jemand krea­tiv ist und das Umfeld meint, man solle das lie­ber nicht aus­le­ben, da man sonst als unnor­mal gelte und auf­falle. Selbst wenn man ihm sagt, dass es kom­plett unnütz sei, was man da tue, sollte der Krea­tive das kom­plett igno­rie­ren und ein­fach das tun, was er für rich­tig hält. Genauso ist es mit ande­ren Ver­hal­tens­wei­sen, die man uns eintrichtert:

Sei nicht so laut. Störe nicht deine Mit­men­schen. Dränge dich nicht auf. Sei hilf­reich, auch wenn es über deine Gren­zen geht. Nimm dich nicht so wich­tig. Rede nur, wenn du gefragt wirst. Deine Mei­nung inter­es­siert nie­man­den. Wer bist du über­haupt, dass du sol­che Weis­hei­ten ver­kün­den willst? Warum maßt du dir an, dar­über Bescheid zu wis­sen? Sei nicht so ein Klug­schei­ßer. Benimm dich, falle nicht auf! Immer schön den Kopf unten hal­ten und so sein, wie alle ande­ren. Deine Nei­gun­gen und Inter­es­sen sind nicht normal.

Sol­che Dinge hal­ten dich gefan­gen. Du wirst immer unsi­che­rer, je öfter du diese Aus­sa­gen hörst. Doch was unter­schei­det dich von all den ande­ren Men­schen, die sich nicht an diese Wei­sun­gen hal­ten und die ihre Mei­nung ein­fach kund­tun? Die reden, ohne gefragt zu wer­den und oft hilf­rei­che Tipps geben? Musst du wirk­lich jedem hel­fen, auch wenn du dich dabei nicht gut fühlst oder gar keine Lust dazu hast? Musst du immer nur Rück­sicht auf andere neh­men? Musst du so tun, als seist du wie alle anderen?

Nein! Musst du nicht. Du kannst jeder­zeit damit auf­hö­ren, dich von so einem Blöd­sinn und Unfug lei­ten zu las­sen. Deine Mei­nung ist genauso wich­tig, wie die aller ande­ren. Wenn du über etwas Bescheid weißt, dann bist auch du ein Experte auf dei­nem Gebiet und andere wer­den dir zuhö­ren. Du kannst sicher­lich wert­volle Hilfe leis­ten, aber nur inner­halb dei­ner Gren­zen, dei­ner Kraft und dei­ner Bereit­schaft. Du musst auch und zu aller­erst an dich den­ken. Dar­auf ach­ten, dass es dir gut geht. Wenn es dir nicht mehr gut geht, son­dern du durch deine Hand­lun­gen krank wirst, wem kannst du dann noch hel­fen? Auf dich selbst Rück­sicht zu neh­men macht dich nicht zu einem Ego­is­ten, son­dern zu einem gesun­den Menschen.

Löse dich von dem, was du in dei­nem Inne­ren als falsch iden­ti­fi­zierst. Wo du schon immer ver­mu­tet hast, dass es so nicht rich­tig sein kann, wird es nicht rich­tig sein. Höre auf dein Gefühl dafür, was für dich rich­tig und falsch ist. Traue dich, diese fal­schen Dinge los­zu­las­sen. Denke daran, dass eine Eigen­schaft der Hoch­sen­si­blen die ist, die Wahr­heit schnell erken­nen zu kön­nen. Lasse ein­fach eins nach dem ande­ren los. Sprich mit ande­ren Hoch­sen­si­blen, wie sie dar­über den­ken. Tau­sche mit ihnen Erfah­run­gen aus. Pro­biere ein­fach Schritt für Schritt aus, was pas­siert, wenn du anders han­delst. Sicher, wenn du nicht mehr so funk­tio­nierst, wie andere es von dir erwar­ten, wirst du Men­schen ent­täu­schen, die nur Erwar­tungs­hal­tun­gen an dich haben. Doch sind das Men­schen, die dir gut tun? Wie steht es mit Men­schen, die dich nur her­un­ter­zie­hen, neh­men und ver­lan­gen, aber nichts geben. Was ist mit jenen, die dich nicht so akzep­tie­ren, wie du bist, son­dern dich so for­men wol­len, wie sie dich brau­chen? Tun dir dir gut, die dich mani­pu­lie­ren? Oder willst du lie­ber Zeit mit Men­schen ver­brin­gen, die dich mögen, ach­ten und respek­tie­ren, wie du bist? Die gibt es näm­lich, gerade unter Hochsensiblen.

Eine wun­der­volle Para­bel, die ich aus einem Buch von Terry Prat­chett ent­lehne ist der Hum­me­r­ei­mer. In einem Eimer befin­den sich viele Hum­mer, die in Bälde in den Koch­topf wan­dern sol­len. Einige der Hum­mer ver­su­chen, aus die­sem Eimer zu ent­kom­men. Doch jeder, der es wagt, den Rand zu erklim­men, wird von der Gemein­schaft der rest­li­chen Hum­mer wie­der zurück­ge­zo­gen. Der Grund dafür ist ganz ein­fach: In der Masse ist man sicher, wenn man über den Rand des Eimers klet­tert, lau­ert Unge­wiss­heit auf dich. Dass zum Schluss alle Hum­mer gekocht wer­den, die sich im Eimer befin­den, ist dabei egal.

Bei den Men­schen ver­hält es sich genauso. Sie zie­hen dich in ihre Rich­tung und ver­su­chen dich, in ein Schema zu pres­sen, das ihrem sozia­len Stand ent­spricht. Das gilt für alle sozia­len Schich­ten. Wenn man ver­sucht, aus einer sozia­len Schicht in eine andere zu wech­seln, legen einem die Eltern, Ver­wandte und Freunde so viele Steine in den Weg, bis man vor einer fest gemau­er­ten Wand steht. Sie wol­len dir viel­leicht nicht mal etwas Böses, son­dern dich nur vor dem für sie Unbe­kann­ten beschüt­zen. Denn die bekann­ten Wege sind die guten Wege. So den­ken sie. Auch wenn sie für dich nicht die rich­ti­gen sind. Oft wird diese Mauer auch aus Neid errich­tet, weil du Fähig­kei­ten hast, die sie gerne hät­ten. Sie spre­chen dir dann deine Fähig­kei­ten ab. In dir jedoch wirst du immer das Gefühl haben, dass die Men­schen um dich herum im Unrecht sind. Du soll­test immer daran den­ken, dass gerade Nor­mal­sen­si­ble starke Her­den­tiere sind und immer ver­su­chen, sich den ande­ren anzu­pas­sen und nicht auf­zu­fal­len. Auch sie sind Opfer der Mani­pu­la­tion, kön­nen diese jedoch nicht so klar wahr­neh­men. Du bist jedoch nicht wie sie, son­dern passt bes­ser zu den Hoch­sen­si­blen. Die Iro­nie dabei ist, dass viele Hoch­sen­si­ble nicht wis­sen, dass sie Hoch­sen­si­bel sind und andere Bedürf­nisse haben. Auch sie wur­den auf Linie der Nor­mal­sen­si­blen getrimmt und tun dies womög­lich nun auch mit dir. Viel­leicht kannst du, wenn du mit dei­ner Ent­wick­lung fer­tig bist und dein Urver­trauen erlangt hast, ihnen hel­fen, sich selbst zu finden.

Die Ver­gan­gen­heit zu bewäl­ti­gen, indem du Ereig­nisse ver­ar­bei­test, Men­schen ihre Feh­ler ver­gibst (ver­ge­ben ist nicht ver­ges­sen!), nicht zu dir pas­sende Regeln und Erwar­tun­gen los­lässt, wird dich befreien und dir mehr Raum für dich verschaffen.

<Ein­füh­rung Loslassen Welt­li­ches> 

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fortfahren.

Vielen Dank an über 50.000 Leser!

Taschenbuch
Taschenbuch Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Neuauflage folgt

Zur Zeit ist das Taschenbuch ausverkauft. Ich arbeite an einer erneuerten Fassung. Darin werden auch die Besonderheiten für hochsensible Kinder und Jugendliche beschrieben.

Das neue Buch wird unter dem Titel "Seelenweite Hochsensibilität" erscheinen und zum großen Teil die bisherigen Kapitel ebenfalls enthalten.

Die Webseite bleibt auf dem jetzigen Stand.

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