M

Inhaltsverzeichnis

Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

Fragen zur Hochsensibilität? Buche mich.

04881 286 99 71

Im fol­gen­den Kapi­tel ver­su­che ich zu beschrie­ben, wie sich das Innen­le­ben eines hoch­sen­si­blen im Ver­gleich zum nor­mal­sen­si­blen Men­schen aus­sieht. Die meis­ten HSP geben an, ein leb­haf­tes Innen­le­ben zu haben. Es geht mir dabei nicht darum, Nor­mal­sen­si­blen Ober­fläch­lich­keit zu unter­stel­len und sie her­ab­zu­set­zen. Jeder Mensch hat seine eigene Mischung aus Bedürf­nis­sen, Fähig­kei­ten und Schwä­chen. Viel­mehr möchte ich einen Umstand auf­klä­ren, der mir durch etli­che HSP zuge­tra­gen wurde. Sie ver­ste­hen nicht, warum die­ses leb­hafte Innen­le­ben so anders ist, als bei ande­ren und wie sich das aus­wir­ken kann. Die Tief­grün­dig­keit lei­tet sich von der Tat­sa­che ab, dass sich HSP sehr gründ­lich und inten­siv mit The­men aus­ein­an­der­set­zen, sie bis zu ihrem Grund ver­fol­gen und aus­lo­ten. Des wei­te­ren wer­den sie gerade von phi­lo­so­phi­schen, ethi­schen, psy­cho­lo­gi­schen und spi­ri­tu­el­len The­men ange­zo­gen, die die meis­ten Men­schen eben kaum oder gar nicht inter­es­sie­ren. Die meis­ten Men­schen inter­es­sie­ren sich eher für all­täg­li­che The­men und hin­ter­fra­gen ihre Umwelt nicht so detail­liert, wie HSP. Trotz­dem will ich dir keine Ober­fläch­lich­keit unter­stel­len, denn die Tiefe des Innen­le­bens eines HSP birgt viel­fäl­tige Pro­bleme und Konflikte.

Auch wenn einige Absätze für sie pro­vo­kant klin­gen, bitte ich dich dies zu ent­schul­di­gen und für dich zu igno­rie­ren. Dann betrifft es dich nicht.

Tag­ein tag­aus begeg­nen wir Men­schen, die uns ein wenig ken­nen. Wir haben das Gefühl, dass jeder Mensch einen ande­ren Teil­aspekt von uns kennt, jedoch nie­mand das Ganze sieht. Sie neh­men nur eine Facette wahr. Vor allem die Men­schen, die in tie­fere Schich­ten vor­drin­gen wol­len und kön­nen, sind rar gesät.

Mir sind etli­che Men­schen begeg­net, die ich inter­es­sant fand, weil ich einen Teil ihrer Denk­weise mochte. Ich dachte, sie müss­ten ebenso tief­grün­dig sein wie ich selbst. Doch nach sehr kur­zer Zeit inten­si­ven Ken­nen­ler­nens stellte ich fest, dass keine tie­fe­ren Schich­ten mehr zu Tage tra­ten. Die Schich­ten beschränk­ten sich meis­tens auf diese eine Rich­tung, die mich fas­zi­nierte. Damit meine ich, dass ich tie­fer in die jewei­li­gen The­men ein­steige, die mich inter­es­sie­ren und inten­si­ver damit befasse. Bei den meis­ten Men­schen stieß ich rela­tiv schnell an das Ende ihres Gedan­ken­gan­ges zum jewei­li­gen Thema. Ebenso waren sie nicht an einem brei­ten Spek­trum an The­men inter­es­siert, wie ich und mach­ten sich nicht so viel Gedan­ken um die Welt, wie sie funk­tio­niert und warum alles so ist, wie es ist.

Als sie merk­ten, dass sie bei mir nur an der Ober­flä­che kratz­ten und sich dar­un­ter noch viel mehr ver­barg, wurde ihnen zum Teil mul­mig und sie ach­te­ten dar­auf, nicht mehr so tief zu sto­chern. Die Bezie­hung zu die­sen Men­schen war für meine Ver­hält­nisse ober­fläch­lich. Sie reagier­ten sogar oft beun­ru­higt. Bei ihnen war es so, dass es nur den Men­schen mit einer oder zwei Sei­ten gibt.

Zum Bei­spiel:

  • Daniel der Land­wirt, der jedes Jahr nach Wacken fährt
  • Julius, der Dach­de­cker, der bei der frei­wil­li­gen Feu­er­wehr ist
  • Klaus, der Mana­ger und Borussia-Fan
  • Jes­sica, die Fri­seu­rin und Partygängerin
  • Regina, die Bän­ke­rin und Handballerin
  • Ste­fa­nie, die Laden­in­ha­be­rin und Motorradfahrerin

Sie ent­wi­ckel­ten sich bis zu einem Punkt und blie­ben ab da auf ihrem Sta­tus Quo ste­hen. Über Jahre und Jahr­zehnte ändert sich bei ihnen nichts außer der Fami­li­en­stand. Das ist nicht wei­ter tra­gisch. Der Unter­schied liegt nur darin, dass HSP sich ihr gan­zes Leben ent­wi­ckeln und oft die Inter­es­sen wech­seln, beson­ders in Pha­sen, in denen sie sich selbst hin­ter­fra­gen. Den meis­ten HSP wird es irgend­wann lang­wei­lig, sich wei­ter­hin mit dem­sel­ben Thema zu beschäf­ti­gen, das sie in vol­ler Tiefe und Breite aus­ge­lo­tet haben.
Bei uns ist es eher

  • Mar­kus, von Beruf IT-Spe­zia­list, Foto­graf, Gitar­rist, Schrift­stel­ler, Haus­sa­nie­rer, Gar­ten­lieb­ha­ber, Koch, Welt­ver­bes­se­rer und Radfahrer
  • Finja, von Beruf Sta­ti­ons­lei­tung im Alten­heim, Wel­ten­bumm­le­rin, Gera­ni­en­züch­te­rin, Kla­vier­spie­le­rin, Bas­ket­bal­le­rin, Opern­lieb­ha­be­rin, Kunst­ex­per­tin und Möbelschreinerin

Wenn man sich dann irgend­wann sprung­haft ohne äußere Not ver­än­dert, ist das Nor­mal­sen­si­blen nicht ganz geheuer. In den meis­ten Fäl­len ver­än­dern sie ihren Sta­tus Quo nur, wenn ein äuße­rer Zwang auf sie aus­ge­übt wird.

Die Nor­mal­sen­si­blen, die nicht die­sen beson­de­ren Tief­gang besit­zen, füh­len sich unwohl, weil sie uns nicht zur Gänze erfas­sen kön­nen. Sie sehen nur unsere ober­fläch­li­che Pfütze. Wenn sie ein wenig darin her­um­sto­chern, fin­den sie kei­nen Boden, an dem sie auf­hört. Es geht immer wei­ter in die Tiefe. Doch wenn es kein für sie spür­ba­res Ende gibt, dann wis­sen sie nicht, was sie in der Tiefe noch erwar­tet. Ein altes See­fah­rer-Sprich­wort lau­tet: In der Tiefe der See lau­ern Gefahr und Tod. Die­ses Gefühl tritt bei jenen Men­schen uns gegen­über auf. Jeman­den, den man nicht hun­dert­pro­zen­tig ein­schät­zen kann, der ist unheim­lich, dem kann man nicht ganz ver­trauen. Dazu kommt, dass Hoch­sen­si­ble meist stil­ler wer­den, wenn sie bemer­ken, dass ihre Gesprächs­part­ner sie nicht ver­ste­hen. Die­ses Schwei­gen ist aber jedem Men­schen unheim­lich. Je weni­ger man über einen Men­schen weiß, desto grö­ßer ist die weiße Lein­wand, auf die man etwas pro­ji­zie­ren kann. Dies sind meis­tens eigene Eigen­schaf­ten oder Erfah­run­gen mit ande­ren Men­schen, die dem Hoch­sen­si­blen in irgend­ei­ner Art ähneln. Zudem ten­die­ren wir Men­schen immer dazu, erst ein­mal schlechte Eigen­schaf­ten in andere zu pro­ji­zie­ren, damit wir nicht von ihnen ent­täuscht wer­den können.

Neh­men wir an, du bist ein sehr stil­ler Typ und ähnelst vom Äuße­ren einem Men­schen, mit dem ich schlechte Erfah­run­gen gemacht habe. Dann pro­ji­ziere ich so lange unbe­wusst des­sen Eigen­schaf­ten auf dich, bis du mir durch Gesprä­che und Infor­ma­tio­nen über dich beweist, dass du ein ganz ande­rer Typ bist. Auch wenn du eini­ges Posi­ti­ves von dir Preis gibst und einen net­ten Ein­druck hin­ter­lässt, kann dir noch fol­gen­des passieren.

Aus der Sicht des nicht so tief­gän­gi­gen Menschen:

Zunächst ver­stehe ich viele Dinge nicht, die der andere sagt und es kommt zu Miss­ver­ständ­nis­sen. Wenn es um imma­te­ri­elle oder gar spi­ri­tu­elle Dinge geht, wider­spre­chen die Ein­sich­ten sogar denen, die ich gelernt und nicht wei­ter hin­ter­fragt habe. Mit der Zeit kommt bei mir der Ver­dacht auf, dass der andere, sich für etwas Bes­se­res hält, weil er viel mehr weiß oder an mehr glaubt. Er gibt damit an. Außer­dem könnte in dem Teil der Tiefe, den ich nicht durch­schauen und in den ich nicht hin­ein­bli­cken kann, ein Mas­sen­mör­der lau­ern, ein Ver­ge­wal­ti­ger, ein Gewalt­ver­bre­cher, eine Gift­mi­sche­rin oder sons­tige schlimme Mons­ter. Also ziehe ich mich auf siche­res Ter­rain zurück und sto­chere nicht wei­ter herum. Wenn mein Gegen­über aus der Rolle fällt, in der ich ihn gerne sehen möchte, blo­cke ich instink­tiv alles ab, was er sagt und wechsle das Thema schnell.

Aus unse­rer Sicht:

Ein inter­es­san­ter Mensch taucht in mei­nem Leben auf. Ich lerne ihn bin­nen kur­zer Zeit ken­nen. Meine bes­ten Eigen­schaf­ten sind das Zuhö­ren, Ver­ste­hen und Mich-in-andere-hin­ein­ver­set­zen-kön­nen (Empa­thie). Des­we­gen öff­nen sich andere mir gegen­über flugs. Ich stelle ebenso schnell fest, dass die andere Per­son recht ober­fläch­lich ist und nicht so tief­grün­dig, wie ich zunächst ver­mu­tete. Um sicher­zu­ge­hen, zeige ich noch andere Sei­ten von mir. Der Andere wehrt diese Sei­ten ab und drängt mich dazu, mich so zu ver­hal­ten, wie er mich gerne haben möchte. Bin ich noch ziem­lich am Anfang mei­ner Ent­wick­lung, lasse ich das zu und ver­halte mich wie gewünscht. Wenn ich älter bin, das Selbst­ver­trauen gewach­sen ist und die Abgren­zung bes­ser klappt, wende ich mich von die­sen Men­schen eher ab und ziehe mei­ner Wege oder lasse sie am Rande mitlaufen.

In frü­he­ren Sta­dien der Ent­wick­lung nei­gen wir noch dazu, ab und an jeman­den in die Tiefe zu zer­ren. Wir öff­nen uns ihm ganz und zei­gen ihm all unsere Sei­ten und Nuan­cen. Irgend jemand muss uns doch ver­ste­hen kön­nen. Damit sto­ßen wir ihn jedoch eher ab. Er denkt, dass er in unse­rem Ozean zu ertrin­ken droht, da er nicht alles erfas­sen kann. Der Mensch reagiert dann in Panik und ver­sucht, so schnell als mög­lich von uns fort­zu­kom­men. Mir ist das ein paar Mal pas­siert, bevor ich es auf­gab, mich jeman­dem ganz zu öff­nen. Erstaun­lich war dann der Zeit­punkt, an dem ich meine erste hoch­sen­si­ble Freun­din traf, mit der ich offen über alles reden konnte und die viele Ansich­ten mit mir teilte und mich bis in die tiefs­ten Schich­ten ver­stand. Als dann vor Kur­zem noch eine wei­tere Freun­din auf­tauchte, die bei­nahe so tickt wie ich, war mein Wunsch in Erfül­lung gegan­gen, dass end­lich jemand mich voll und ganz nach­voll­zie­hen kann oder es zumin­dest versucht.
Ins­ge­heim wün­schen wir uns alle den Men­schen, der sei­nen Kopf in die Pfütze steckt, den Ozean sieht, der sich dar­un­ter befin­det, hin­ein­springt und mit Acht­sam­keit die Wun­der ent­deckt, die sich dort ver­ber­gen. Die Gedan­ken, Ideen, Gefühls­viel­falt, den Witz, den Charme, die Ver­rückt­hei­ten, die Güte und die Liebe, die uns inne­wohnt erkun­det und sie für sich wahr­nimmt. Doch so einen Men­schen gibt es nicht oft. Die Ein­zi­gen, die uns nach­voll­zie­hen kön­nen, sind selbst hoch­sen­si­bel, denn nur die haben einen ähn­li­chen Ozean in sich.

Für alle, die nun immer noch den­ken, wir wol­len etwas Bes­se­res sein:

Der tiefe Ozean hält tat­säch­lich viele dunkle Ecken bereit. Wir wer­den mit sehr vie­len Ängs­ten gebo­ren und aktiv kon­fron­tiert, durch­le­ben die tiefs­ten Geheim­nisse unse­rer Seele und stel­len uns unse­ren dunk­len Sei­ten bewusst. (Man­che ver­drän­gen sie auch bewusst.) Einige Hoch­sen­si­ble ver­fal­len dar­über in Depres­sio­nen. Andere haben lebens­lange Schuld­ge­fühle, weil sie Dinge getan haben, die sie als viel schlim­mer erach­ten, als sie in Wirk­lich­keit sind.

Wir müs­sen unsere dunkle Seite anneh­men und lie­ben ler­nen, bevor wir glück­lich wer­den kön­nen. Es ist nicht wirk­lich leicht, das zu tun. Wir müs­sen uns all unse­ren Ängs­ten stel­len, die in die­sem Ozean auf­war­ten, um unse­ren Frie­den zu fin­den. Daran schei­tern nicht wenige. Ihr Schick­sal sind see­li­sche Krank­hei­ten bis hin zum Wahn­sinn oder sie ver­fal­len in Süchte, um den Ozean zu unter­drü­cken, um die Gefühls- und See­len­welt abzutöten.
Oft hätte ich gerne mit jeman­dem getauscht, der sich weni­ger Gedan­ken um sein Leben, seine Umwelt und den tie­fe­ren Sinn macht und ein­fach vor sich hin lebt. Es ist also nur ein wirk­li­cher Vor­teil, wenn man nicht an den Her­aus­for­de­run­gen zer­bricht, die die Tie­fen die­ses Oze­ans bereit­hal­ten. Aller­dings ist es dann ein wun­der­ba­rer Ort, den ich nie mehr mis­sen möchte.

<Effek­ti­vi­tät Die Macht ist mit dir>

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fortfahren.

Vielen Dank an über 45.000 Leser!
Taschenbuch
Taschenbuch Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Gleich bestellen

Ebook Kaufen bei Amazon.de
Das Taschenbuch bei Buch24.de kaufen
Das Taschenbuch bei Buchkatalog kaufen

Oder Ihrem Lieblingsbuchhändler die ISBN-Nummer geben und das Buch bestellen:
978-3-7448-3476-6

E-Book
Cover von Achtsam zum Urvertrauen auf einem Tablet

Gleich bestellen

Ebook Kaufen bei Amazon.de
Das Taschenbuch bei Buch24.de kaufen