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Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

Mit Achtsamkeit zum Urvertrauen

Hochsensibilität im Alltag

Markus Walz

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Ich habe im Laufe mei­nes Lebens viele Men­schen sehr inten­siv ken­nen­ge­lernt, da es meine Art ist, gut zuzu­hö­ren und auf Men­schen ein­zu­ge­hen. Wie oft im Leben hat sich hier eine wei­tere Dua­li­tät erge­ben, deren bei­den Pole sich wie Yin und Yang gegen­sei­tig beeinflussen.

Viele Men­schen pen­deln zwi­schen ihrem Her­zen (Liebe, Gefühle, Neu­ge­bo­re­nen-Ich) und ihrem Kopf (Ego, Ängste, Erwach­se­nen-Ich) hin und her. Emo­tio­na­li­tät und Ratio­na­li­tät kämp­fen um die Vor­herr­schaft in uns.

Frü­her war ich selbst ein sehr ratio­na­ler Mensch. Ich glaubte das, was die Wis­sen­schaft erklä­ren konnte, und zwei­felte an dem, was uner­klärt blieb. Davor wurde ich streng katho­lisch erzo­gen. Diese dog­ma­ti­sche Prä­gung konnte ich jedoch nach und nach able­gen. Als ich aus der Puber­tät her­aus und in meine erste Woh­nung ein­ge­zo­gen war, war nicht mehr viel übrig von mei­nem Gefühl. Ich unter­drückte es, wo ich konnte, und gewährte dem Kopf die Allein­herr­schaft in mei­nem Leben. Dies ent­wi­ckelte sich zu einem gro­ßen Pro­blem. Zum einen traf ich fort­wäh­rend schlechte Ent­schei­dun­gen, da ich ent­we­der zu vor­schnell ent­schied, wenn ich etwas begehrte, und zu lange zögerte, wenn ich mir unsi­cher war. Dinge, die ich drin­gend benö­tigte, schob ich weit von mir weg, und Dinge, die ich begehrte, die aber im Grunde unnütz für mich waren, zog ich um jeden Preis heran. Das endete in einem kata­stro­pha­len Fiasko, aus dem ich zum Glück gestärkt und geläu­tert her­aus­kam. Es kos­tete mich sie­ben Jahre, diese Schleife zu durch­lau­fen. Heute möchte ich die Erfah­rung nicht mehr mis­sen, denn sie gehört zu mir und hat mich geformt.

Das zweite Pro­blem, mit dem ich mich her­um­zu­schla­gen hatte, waren meine Seele und mein Herz, die inner­lich ver­küm­mer­ten. Das erzeugte eine Depres­sion, die mich in die­ser Zeit stets begleitete.

Zum Drit­ten gab es stän­dig Zusam­men­hänge und Ereig­nis­ket­ten, die ich wahr­nahm und die sich wis­sen­schaft­lich nicht erklä­ren lie­ßen. Diese ver­drängte ich, da sie eben nicht ratio­nal waren.

Der Kopf hat gegen­über dem Gefühl den Nach­teil, dass er sich vor­treff­lich dazu eig­net, Zwei­fel und Ängste zu ent­wi­ckeln. Das Herz weiß ein­fach, was es will. Der Kopf beher­bergt eine Ansamm­lung von erlern­ten Fak­ten, die man hin und her bewegt, bedenkt und bewer­tet. Dabei ent­steht meist ein Woll­knäuel, das bei län­ge­ren Ent­schei­dungs­zy­klen gigan­ti­sche Aus­maße anneh­men kann.

Das Gehirn erzeugt Zwei­fel, Beden­ken und Ängste, außer es wird von Lust, Lei­den­schaft und Begeh­ren gesteu­ert. »Ich will aber dies und jenes!« »Das muss aber so oder so sein und pas­sie­ren!« Das sind typi­sche Kopfsprüche.

Im Grunde genom­men steht der Kopf genau unse­ren wah­ren Bedürf­nis­sen gegen­über. Denn Gier und Zwei­fel, das Haben-Wol­len und das Schlimme-Dinge-Pas­sie­ren-Wenn las­sen unsere ein­fachs­ten Bedürf­nisse unbe­frie­digt. In der Psy­cho­lo­gie ist bekannt das 90 % aller Ängste und Sor­gen, die der durch­schnitt­li­che Mensch in sei­nem Leben hat, nicht in Erfül­lung gehen. Den Ängs­ten und Sor­gen nach­zu­hän­gen, ist also wenig ziel­füh­rend. Es hält dich nur davon ab, das zu tun, was dir entspricht.

Schießt sich der Kopf auf etwas ein, kommt es dar­auf an, wie er aus­ge­legt ist. Ist er ein Stur- oder Dick­kopf sucht er sich eine Rich­tung aus und geht sie ent­lang, egal was da kommt. Dabei nimmt er keine Rück­sicht auf seine eigent­li­chen Bedürf­nisse oder die Bedürf­nisse ande­rer. Er igno­riert alle Hin­der­nisse. Wenn es Mau­ern gibt, rennt er so lange dage­gen, bis er sie durch­bricht oder selbst an ihnen zer­bricht. Er ist bei­nahe zwang­haft in sei­nem Han­deln, sehr vor­her­seh­bar für Men­schen mit Erfah­rung und Menschenkenntnis.

Der ängst­li­che Kopf zer­denkt erst alles und fin­det viele Argu­mente, nichts zu tun. Dabei über­sieht er eben­falls seine wirk­li­chen Bedürf­nisse und redu­ziert sich bis auf sei­nen inners­ten Kern, wo er sich in einen selbst gebau­ten Käfig ein­sperrt, um auch noch die letz­ten Gefah­ren aus­zu­sper­ren. Er darbt vor sich hin und ver­sagt sich selbst alles, was ihn auch nur im Gerings­ten in Gefahr brin­gen könnte. Aus Erfah­rung weiß ich, dass dies bei­nahe alles auf die­ser Welt sein kann, ange­fan­gen bei Nah­rung, Ver­kehr, Wet­ter, bis hin zu Ver­bre­chern, die einen unan­ge­kün­digt nie­der­stre­cken könnten.

Dage­gen hat der Mensch, der nur nach sei­nem Gefühl lebt, ohne die­ses ein wenig zu steu­ern, ganz andere Pro­bleme. Das Herz kennt nichts Schlech­tes, es ist das reine Gute. Wer nur sei­nem Her­zen folgt, der wird oft aus­ge­nutzt, ist zu gut für diese Welt und täuscht sich ent­we­der oft in Men­schen oder ist sehr naiv im Umgang mit ihnen. Die Ver­let­zun­gen, die sol­che Men­schen von sich tra­gen, sind tief, so dass sie sich oft in sich zurück­zie­hen so weit in ihren Mit­tel­punkt, dass sie sich ganz von der Mensch­heit abschot­ten und sich nur noch mit Gleich­ge­sinn­ten umge­ben. Das Herz weiß zwar, was es will, doch es ver­fügt nicht über aus­rei­chend Schutz­me­cha­nis­men. Hinzu kommt, dass es sich oft in Schö­nes ver­liebt. Es schwelgt dann über­schwäng­lich in dem, was es gerade stark liebt, und sieht die Gefah­ren links und rechts vom Weg nicht mehr. Es wird schnel­ler Opfer sei­ner Umwelt als der zwei­felnde Kopf, der über­all Gefah­ren sieht.

Nun denkst du sicher­lich, die Lösung liegt in der gol­de­nen Mitte, wie immer, zwi­schen Kopf und Herz. Da gibt es dann noch die dritte Vari­ante von Men­schen, die sowohl mit dem Kopf und dem Herz leben, jedoch beide nicht in Ein­klang brin­gen. Wie äußert sich das? Ganz ein­fach. Sie wir­ken zer­ris­sen, heute so mor­gen anders.

Springt der Kopf zuerst an, dann denkt er in ewi­gen Schlei­fen und wird als Dick­kopf alles Ungute außer Acht las­sen, als ängst­li­cher Kopf alles schlecht den­ken. In jedem Fall wird das Herz so lange unter­drückt, bis es nicht mehr geht, um dann umzu­schwen­ken und alles noch ein­mal mit dem Her­zen zu erfüh­len und sich von den Gedan­ken zu lösen.

Wenn das Herz zuerst über­nimmt, stürmt es begeis­tert los und beginnt etwas Neues mit vol­lem Ener­gie­ein­satz. Es über­hört die Beden­ken des Kop­fes, der es ermahnt, mit Ruhe und Aus­dauer an die Sache her­an­zu­ge­hen. Doch im Laufe der Zeit wer­den der Kopf und die Gedan­ken grö­ßer und stär­ker. Der Mensch denkt oft über das, was er tut nach, und hegt immer mehr Beden­ken. Wenn jene so gewach­sen sind, dass genü­gend Zwei­fel und Ängste vor­han­den sind, bricht der Mensch sein Tun abrupt ab.

In bei­den Fäl­len füh­len sich die Betrof­fe­nen von ihrer Umge­bung unver­stan­den. Auf Grund der häu­fi­gen Sin­nes­wan­del ist dies nicht erstaun­lich. Die Leute um sie herum haben ja den Pro­zess des Zer­den­kens oder des Nach­füh­lens nicht mit­be­kom­men und sind erstaunt über das unstete Verhalten.

Zwi­schen die­sen bei­den Extre­men lie­gen wie immer jede Menge Mischungen.

Wie komme ich aus die­sem Dilemma heraus?

Es ist eigent­lich ganz ein­fach und benö­tigt ledig­lich ein wenig Zeit und Geduld. Wenn du dich hier wie­der­erkannt hast, dann ärgere dich nicht. Du bist, wie du bist, und hast immer die Mög­lich­keit, dich zu entwickeln.

Die Lösung besteht aus drei Schrit­ten: Erkennt­nis, Vor­stel­lung und Umset­zung. Wich­tig dabei ist, dass du immer acht­sam vor­gehst. Habe Geduld mit dir selbst und mit dei­nen Bedürf­nis­sen. Liebe dich und nimm deine Schwä­chen an.

Die Erkennt­nis ist dir viel­leicht jetzt gekom­men oder sie schwingt schon län­ger in dir mit. Wenn du fest­ge­stellt hast, wel­cher Typus oder wel­che Mischung in dir steckt, dann akzep­tiere sie und kämpfe nicht plötz­lich dage­gen an. Liebe dich so, wie du bist. Jeder hat andere Pro­bleme und Schwä­chen. Du darfst deine ganz Eige­nen haben. Das ist dein gutes Recht. Wenn dir eine Eigen­schaft nicht gefällt, dann schaue sie dir genau an. Schau dir an, wie sie funk­tio­niert, in wel­chen Momen­ten sie auf­tritt und zum Tra­gen kommt und in wel­chen Momen­ten Höhe­punkte und Wen­de­punkte auf­tre­ten. Der Höhe­punkt ist der Moment, wenn dich dein Ver­hal­ten am meis­ten selbst nervt. Der Wen­de­punkt ist der Moment, in dem du Gegen­maß­nah­men ergreifst. Wenn du die drei Punkte erfasst hast, sind sie dir für immer bewusst. Start­punkt, Höhe­punkt, Wen­de­punkt. Nimm alles als dein momen­ta­nes Ich an. Sie sind Teil von dir.

Der zweite Schritt ist ganz ein­fach. Stell dir mit dem Kopf und dem Her­zen vor, wie du gerne sein möch­test. Stell dir vor, wie du eigent­lich in sol­chen Momen­ten han­deln möch­test. Stell dir vor, was du füh­len wirst und was du denkst. Das wie­der­holst du am bes­ten drei­mal am Tag min­des­tens 21 Tage lang. Man sagt, dass jede Hand­lung inner­halb von 3 Wochen zur Gewohn­heit wird.

Wenn du mehr dei­nem Her­zen fol­gen möch­test, dann stell dir vor, wie du dich mit ihm an einen Tisch setzt und über seine Bedürf­nisse sprichst. Es darf nur nicht die Ober­hand gewin­nen. Wenn du mehr dei­nem Kopf fol­gen möch­test, tust du das­selbe mit dei­nem Kopf. Besprich mit ihm, dass er dir seine Beden­ken stär­ker mit­teilt, ohne die Kon­trolle zu über­neh­men. Beide Teile sol­len bit­te­schön auf Augen­höhe zusammenarbeiten.

Im Ide­al­fall fragt dein Kopf dein Herz, wel­che Bedürf­nisse du eigent­lich hast. Es spielt das BRAUCHEN eine Rolle, das WOLLEN sollte im Hin­ter­grund ste­hen. Dann stellt dein Kopf ein­fach nur fest, wel­che Hin­der­nisse und Gefah­ren auf­tre­ten könn­ten. Nur die Wich­tigs­ten. Alle kann er sowieso nicht beden­ken. Oder du fängst anders­herum an. Dein Herz möchte etwas und fragt beim Kopf die Hin­der­nisse und Gefah­ren an. Beide set­zen sich zusam­men an einen Tisch und über­le­gen, was das Beste für dich ist, ohne sich zu strei­ten und ohne den jeweils ande­ren kon­trol­lie­ren zu wol­len. Sei acht­sam und höre gut in dich hin­ein. Denke nicht zu lange dar­über nach und wenn du merkst, dass die Beden­ken über­wie­gen (Kopf) oder dass sie unter­drückt wer­den (Herz), halte inne und fang von vorne an. Denn in die­sem Moment über­nimmt ein Part die Kon­trolle über den anderen.

Nun kom­men wir zum drit­ten Punkt. Du besitzt nun die Erkennt­nis, wann deine Schwä­chen zum Tra­gen kom­men und wie sie ver­lau­fen. Außer­dem hast du eine Vor­stel­lung davon, wie das Ganze eigent­lich ver­lau­fen sollte, damit du dei­nen Bedürf­nis­sen gerecht wirst. Wenn dir die Ent­schei­dung schwer fällt, schlafe ein­fach drü­ber und über­gib deine Argu­mente dem Höhe­ren-Ich. Es wird deine Gedan­ken und Gefühle ins Netz hoch­la­den und eine ent­spre­chende Ant­wort erhal­ten, die für dich rich­tig ist. Wenn du am nächs­ten Mor­gen acht­sam in dich hin­ein horchst, soll­test du ein Gefühl und Gedan­ken emp­fan­gen kön­nen. Je nach­dem wie sie aus­fal­len, kannst du die Ent­schei­dung treffen.

Das hört sich jetzt auf­wän­dig und anstren­gend an, nicht wahr? Ist es am Anfang auch. Du wirst Rück­schläge erle­ben und dich über dich selbst ärgern und auf­re­gen. Doch sobald dir die Mecha­nis­men bewusst sind und du sie ein­setzt, wird es bes­ser als zuvor. Mit jedem Mal, mit dem du diese Tech­nik ein­setzt, wird es dir ein­fa­cher fal­len. Die Erfolge wer­den dich sehr erfreuen. Bleib ein­fach dabei und lass dich nicht von Miss­erfol­gen ent­mu­ti­gen. Nie­mand ist sofort ein Meis­ter, jeder muss üben. Nach eini­ger Zeit wirst du Kopf und Herz so in Ein­klang gebracht haben, dass die Ent­schei­dun­gen blitz­schnell von Stat­ten gehen und in dei­nem urei­ge­nen Inter­esse sind und deine wirk­li­chen Bedürf­nisse decken. Du wirst viel glück­li­cher und zufrie­de­ner sein und das Leben wird für dich viel einfacher.

<Ent­schei­dungs­hilfe  Wahr­neh­mung und Schlussfolgerung>

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fortfahren.

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