Es scheint wie eine iro­ni­sche Posse eines fie­sen Got­tes, dass er uns genau dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setzt unse­res eigent­li­chen Ziels in die­ser Welt plat­ziert. Hoch­sen­si­ble kom­men mit einem viel grö­ße­ren Poten­zial für Ang­s­t­an­fäl­lig­keit zur Welt als Nor­mal­sen­si­ble. Eine Aus­nahme sind hier High-Sen­sa­tion-See­ker. Wir sind mehr auf Sicher­heit bedacht und vor­sich­ti­ger im Umgang mit unse­ren Mit­men­schen. Je län­ger wir leben, desto schwe­rer ver­trauen wir ande­ren. Wir neh­men die Gefah­ren und das so genannte Böse in der Welt viel deut­li­cher wahr. Wir las­sen uns viel schwe­rer belü­gen. Unsere Haut ist viel dün­ner und lässt viel mehr hin­durch. Wir wer­den schnel­ler ver­letzt und ver­ar­bei­ten diese Ver­let­zun­gen inten­si­ver oder ver­drän­gen sie, spü­ren sie aber immer direkt unter­halb der Bewusst­seins­grenze. Sie kom­men sehr viel öfter wie­der hoch, als bei Nor­mal­sen­si­blen. Was sie schon lange ver­ges­sen haben, ver­folgt uns noch über Jahre. Und doch sol­len wir als Ziel alle unsere Ängste besie­gen und zum Urver­trauen fin­den, das vie­len ande­ren in die Wiege gelegt wurde?

Jeder Vor­teil hat nun mal sei­nen Nach­teil. All das Schöne, das wir erle­ben dür­fen, das ande­ren ver­bor­gen bleibt, unsere Vor­teile des sen­si­ble­ren Gespürs und die Unter­stüt­zung, die unser Höhe­res-Ich gewährt, wird durch Nach­teile in der Aus­dauer und Belast­bar­keit, dem Ruhe­be­dürf­nis und durch viele Ängste erkauft.

Die volle Ent­fal­tung unse­rer Mög­lich­kei­ten kön­nen wir jedoch nur errei­chen, wenn wir nahezu angst­frei sind. Das ist wirk­lich gemein, oder? Das, was wir errei­chen wol­len, befin­det sich genau dia­go­nal gegen­über dem Start­punkt, also am wei­tes­ten von allem ent­fernt.

Auch hier kön­nen wir mit dem Kon­zept des Los­las­sens arbei­ten. Alle Ängste, die nicht auf evo­lu­tio­näre Ras­sen­ängste zurück­ge­hen, kön­nen wir able­gen. Die Angst vor Spin­nen, Raub­tie­ren und der Dun­kel­heit kön­nen blei­ben, solange sie nicht patho­lo­gisch sind und uns von Din­gen abhal­ten, die wir gerne tun wür­den, bzw. wozu wir bestimmt sind. Patho­lo­gisch sind Ängste, wenn durch sie ein Lei­dens­druck ent­steht und sie uns immens ein­schrän­ken. Diese sind am bes­ten mit pro­fes­sio­nel­ler Hilfe lös­bar. Um eine Angst zu bewäl­ti­gen, gibt es eine gut prak­ti­ka­ble Mög­lich­keit. Die­selbe, die du hof­fent­lich schon mit dei­ner Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung durch­ge­führt hast. Du soll­test dich dei­nen Ängs­ten stel­len und sie ver­ar­bei­ten.

Um dir mal ein paar Zah­len an die Hand zu geben: Ein durch­schnitt­li­cher Mensch denkt jeden Tag 65.000 Gedan­ken. Von die­sen beschäf­ti­gen sich zirka 17.500 mit nega­ti­ven Gedan­ken. Bei ängst­li­chen Men­schen sind etwa 30 – 50% Angst­ge­dan­ken dar­un­ter.

Wenn man diese in den Erwach­se­nen­jah­ren von 18 bis 75 rech­net, sind es zwi­schen 10,5 und 18,3 Mil­lio­nen Angst­ge­dan­ken.

Eine psy­cho­lo­gi­sche Stu­die hat sich damit beschäf­tigt, wie viel Pro­zent der Ängste und Sor­gen, die man sich im Laufe sei­nes Lebens macht, Rea­li­tät wer­den. Das Ergeb­nis waren erstaun­li­che 10%. Das bedeu­tet, dass man zwi­schen 9 und 16 Mil­lio­nen Mal umsonst Angst oder Sor­gen im Leben macht. Jetzt wirst du ent­geg­nen: “Woher soll ich denn wis­sen, wel­che Gedan­ken die sind, die Rea­li­tät wer­den und was ist mit den rest­li­chen 1 bis 2 Mil­lio­nen?” Dar­auf erwi­dere ich, dass du das nicht wis­sen kannst. Aber dir so viele Gedan­ken und Sor­gen zu machen, bringt nichts Posi­ti­ves. Es hin­dert dich zwi­schen 10 und 20 Mil­lio­nen mal im Leben daran etwas zu tun, das du gerne tun wür­dest. Und von den 1 bis 2 Mil­lio­nen Malen, wo du mit dei­ner Sorge rich­tig liegst, wird die Angst nur bei jedem paar­zehn­tau­sends­ten Mal Rea­li­tät. Über­leg mal, wie oft du deine Arbeit ver­lie­ren kannst oder wie oft du dich schlimm ver­letzt hast und wie oft du drü­ber nach­ge­dacht hast und davor Angst hat­test. Zumal du mit den nega­ti­ven Gedan­ken auch Vor­fälle gera­dezu pro­vo­zierst. Stich­wort: Selbst­er­fül­lende Pro­phe­zei­ung und Gesetz der Anzie­hungs­kraft (”Was du sen­dest bzw. denkst, wirst du emp­fan­gen”).

Die meis­ten Ängste sind irra­tio­nal und des­we­gen ohne welt­li­che Aus­wir­kun­gen. Viele Men­schen haben Angst unan­ge­nehm auf­zu­fal­len. Sie soll­ten Schritt für Schritt üben, dass es nicht schlimm ist, wenn man unan­ge­nehm auf­fällt. Ein­fach mal in einem Restau­rant ein Wein­glas umwer­fen und schauen, was pas­siert. Die meis­ten Anwe­sen­den wer­den sich kurz umdre­hen und sich freuen, dass nicht nur sie selbst ab und an schus­se­lig sind. Mehr pas­siert nicht. Dann viel­leicht bei einem Geburts­tag ein Glas Wein in die Hand neh­men und ein­fach drauf los reden. Wenn man sich dann bla­miert, kann man es auf den Alko­hol schie­ben. Das ist gesell­schaft­lich aner­kannt. Dann merkt man, dass die meis­ten Men­schen die Pein­lich­keit nach sehr kur­zer Zeit ver­ges­sen haben oder noch viel bes­ser, dass sie dir zuhö­ren und über deine Scherze lachen. Wenn du Angst vor der Dun­kel­heit hast, ein­fach mal mit einem Men­schen, dem du ver­traust, jede Woche im Som­mer ins Grüne fah­ren und nachts die Sterne betrach­ten. Irgend­wann, wenn du merkst, dass die Dun­kel­heit dir nichts tut, alleine los­fah­ren. Natür­lich soll­test du dabei immer auf deine Sicher­heit ach­ten. Jedoch nicht angst­voll, son­dern zuver­sicht­lich.

Die Angst lässt sich am bes­ten über­win­den, wenn man sich ihr aus­setzt und Resi­li­en­zen bil­det. Beginne mit klei­nen Schrit­ten und schau dir an, dass nichts Schlim­mes pas­siert. Taste dich so lange vor, bis du keine Angst mehr hast. Wich­tig ist, dass du dich dabei nie­mals in lebens­be­droh­li­che Situa­tio­nen bringst. Men­schen mit Höhen­angst soll­ten zur Bekämp­fung der Angst nicht unbe­dingt sofort mit einem Fall­schirm­sprung begin­nen. Zwingt man sich zu sehr, die Angst zu besie­gen, kann sie schnell schlim­mer wer­den. Wich­tig ist Geduld, Ver­trauen auf­bauen und ent­span­nen. Die Ent­span­nung ist der Feind aller Ängste. Also nicht anstren­gen, Ängste zu über­win­den, son­dern ver­su­chen, sich vor­her, wäh­rend der Angst­phase und danach zu ent­span­nen. Bereite dich gedank­lich auf deine Angst vor, bevor du ihr ent­ge­gen­trittst.

Angst vor dem Glück

Men­schen, die viel Schlim­mes erlebt haben, von ande­ren Men­schen oder unglück­li­chen Umstän­den ver­letzt oder nega­tiv über­rascht wor­den sind, ten­die­ren dazu, sich selbst zu ver­bie­ten, glück­lich sein zu dür­fen oder Glück zu haben. Nach ihrer Ansicht folgt gro­ßem Glück immer gro­ßes Leid.

Dabei ist es gerade diese Ein­stel­lung, die das »Unglück« her­bei­ruft. Zuerst erin­nern wir uns, dass wir in jeder Tief­schlaf­phase mit dem Höhe­ren Netz­werk kom­mu­ni­zie­ren. Wir laden Infor­ma­tio­nen hoch und neue Infor­ma­tio­nen her­un­ter. Hier­bei bekom­men wir immer Reso­nanz auf das, was wir hoch­la­den. Schi­cken wir posi­tive Ener­gien ins Netz, bekom­men wir posi­tive Ener­gien zurück. Sind es nega­tive, so erhal­ten wir auch nega­tive Ener­gien. Nega­tiv ein­ge­stellte Men­schen bekom­men also oft nega­tive Impulse und wachen mit die­sen Mor­gens bereits auf. Zudem ist ihre Ver­bin­dung zwi­schen Neu­ge­bo­re­nem-Ich und Höhe­ren-Ich unter­bro­chen, die ihnen nor­ma­ler­weise bei ihrer Ent­schei­dungs­fin­dung und beim Umschif­fen nega­ti­ver Dinge hel­fen würde. Da nun ein pes­si­mis­tisch ein­ge­stell­tes Erwach­se­nen-Ich regiert, ten­die­ren diese Men­schen dazu, genau die fal­schen Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Sie bege­ben sich sehen­den Auges in nega­tive Situa­tio­nen, geben sich mit nega­ti­ven Men­schen ab oder kau­fen Dinge, von denen sie wis­sen, dass sie män­gel­be­haf­tet sein kön­nen. Sie gehen den Weg, der nachts im Halb­dun­kel ver­läuft, anstatt den Umweg über die hell erleuch­tete Haupt­straße in Kauf zu neh­men. Denn sie glau­ben ja, dass ihnen sowieso nur schlimme Dinge pas­sie­ren. Sie haben so oft dar­auf gehofft, dass sie das Glück fin­den, doch jedes Mal wur­den sie ent­täuscht. Das resul­tiert daher, dass sie sich mit nicht wahr­haf­ti­gen Men­schen oder Din­gen abge­ge­ben haben. Halb­sei­dene Cha­rak­tere, die ihnen das große Glück ver­spro­chen, aber ihnen nur Unglück und Leid gebracht haben. Blen­der und Schön­fär­ber, die ihr Neu­ge­bo­re­nen-Ich gemein­schaft­lich mit den Höhe­ren-Ich in kür­zes­ter Zeit ent­tarnt hät­ten. Sol­che Cha­rak­tere erken­nen einen “Unglücks­ra­ben” auf hun­dert Meter an Kör­per­spra­che und Aus­strah­lung.

Sie haben sich Woh­nun­gen oder Häu­ser andre­hen las­sen, die in Wirk­lich­keit Bruch­bu­den sind, haben teu­res Spiel­zeug gekauft, das ver­sprach, sie glück­lich zu machen, und sind am Ende immer wie­der auf die Nase gefal­len. Nun sind sie womög­lich soweit, dass sie von vorn­her­ein schon kein Glück mehr zulas­sen, damit der Absturz aus den Höhen nach­her nicht mehr allzu schmerz­haft wird. Doch die­ser Gedan­ken­gang zieht das Unglück erst in gro­ßem Maße an. Ver­nünf­tig betrach­tet ist das bereits der Boden, auf dem das Unglück wächst und gedeiht.

Wenn du dich in der Beschrei­bung erkannt hast, werde ich dir nun meine Sicht­weise auf dein Leben zei­gen. Du befin­dest dich auf dem nied­rigs­ten Glücks­ni­veau. Doch wer ganz unten in der Gosse her­um­kriecht, braucht sich nicht wun­dern, wenn alle auf ihm her­um­tram­peln. Da reg­net das Unglück kübel­weise auf dich herab. Kein Wun­der! Wenn du auf­stehst und dei­nen Rücken gerade machst und dich streckst, dann tref­fen dich der Unrat und das Pech nur noch am Schuh oder am Knö­chel. Manch­mal steht es dir auch bis zu den Knien. Aber nie­mals mehr brauchst du Angst zu haben, dass es dich über­schwemmt und ertränkt. Nie­mand hat dir ein Schick­sal auf­er­legt, in dem du immerzu unglück­lich sein musst. Selbst Men­schen in Slums und in den ärms­ten Gegen­den der Welt sind in ihrem Rah­men dazu fähig, glück­lich zu sein. Mach es dir zur Auf­gabe im Leben das Unglück und deine Angst vor dem Glück zu über­win­den, nicht bei­des zu pfle­gen.

Zudem nei­gen Men­schen, die sich zwin­gen, unglück­lich zu sein dazu, sich ein­zu­mau­ern und von ande­ren, die glück­lich sind oder Glück haben, abzu­son­dern. Zum einen, weil sie nicht ertra­gen kön­nen, dass andere so viel Glück im Leben haben und zum ande­ren, weil sie die ande­ren davor schüt­zen möch­ten, dass deren Glück vom eige­nen Pech beschmutzt wird.

So kann es nicht bes­ser wer­den. Mit den in die­sem Buch auf­ge­zeig­ten Abgren­zungs­tech­ni­ken kannst du deine Burg auf­ge­ben und dich den Glück­li­chen nähern. Gönne ihnen ihr Glück und ver­su­che selbst ein­mal, dir zu erlau­ben, Glück zu haben. Da deine Gedan­ken­gänge ver­mut­lich schon auf einem bestimm­ten Gleis lau­fen, wird es schwie­rig, die Wei­chen umzu­stel­len. Am leich­tes­ten ist es, zunächst bei klei­nen Gele­gen­hei­ten das eigene Glück zuzu­las­sen und sich ein­fach dar­über zu freuen, ohne gleich hin­ter der nächs­ten Ecke eine ent­spre­chende Kata­stro­phe zu erwar­ten. Sammle auch hier Schritt für Schritt gute Erfah­run­gen und baue Resi­li­en­zen auf. Wenn du jetzt denkst, dass du das nicht kannst oder gerade du die eine Aus­nahme im Uni­ver­sum sein wirst, die das ganze Unglück und die Kata­stro­phen gepach­tet hat, dann emp­fehle ich auch dir drin­gend eine Auf­ar­bei­tung die­ser Angst durch einen geschul­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten.

Wenn du die Kata­stro­phen ande­rer zu dei­nen hin­zu­zählst, dann soll­test du schleu­nigst damit auf­hö­ren. Du kannst nicht allen Men­schen hel­fen, die dar­auf geeicht sind, Scheiße zu bauen. Dabei gehst du mit zu Grunde. Ein gut gemein­ter Rat­schlag.

Ich lasse seit ein paar Jah­ren unum­stöß­lich mein Glück zu und genieße es in vol­len Zügen. Auch wenn es meist in Klei­nig­kei­ten daher­kommt, ist doch bis­her keine per­sön­li­che Kata­stro­phe ein­ge­tre­ten.

Wer das Unglück beschreit, der bekommt es. So ein­fach ist das.

Vor allen Din­gen lernst du so mit der Zeit, mit dem Unglück, das dich doch noch irgend­wie ereilt umzu­ge­hen. Du weißt ganz genau, dass nach einem Unglück wie­der glück­li­chere Zei­ten kom­men.

Zukunfts­angst

Die letzte große Angst, die man sehr schlecht bewäl­ti­gen kann und die bei­nahe alle Men­schen die­ser Welt tei­len, ist die Zukunfts­angst. Hier kann ich nur mei­nen Weg beschrei­ben. Ich habe mir die schlimmste mög­li­che Zukunft aus­ge­malt: Das Finanz­sys­tem bricht welt­weit zusam­men. Unru­hen, Kriege und Epi­de­mien bre­chen welt­weit aus. Was könnte mir außer Tod und Ver­let­zun­gen und den Ver­lust von gelieb­ten Men­schen schlimms­ten­falls pas­sie­ren?

Klar, wer sich nie mit dem Ster­ben und dem Tod aus­ein­an­der­ge­setzt hat, für den ist dies ein Hor­ror­sze­na­rio. Doch im Laufe eines Lebens ver­liert man unwei­ger­lich geliebte Men­schen, egal ob durch Alter, Unfälle oder Krank­hei­ten. Das ist der Lauf des Lebens. Davor sollte man keine Angst haben, son­dern sich damit abfin­den.

Nun zum eigent­li­chen Thema: Wenn es kei­nen Strom mehr gibt und die Tech­nik nicht mehr funk­tio­niert, beschränke ich mich auf Papier und einen Stift und Men­schen, denen ich hel­fen kann und die mir hel­fen. Etwas zum Anzie­hen und Nah­rung. Wenn es geht, noch ein Dach über dem Kopf. Ich weiß, dass ich mit sehr wenig zurecht­kom­men würde. Das Den­ken und die Gemein­schaf­ten wer­den wie­der klei­ner und regio­na­ler. Die Men­schen rücken wie­der näher zusam­men. Warum sollte ich also Angst vor der Zukunft haben? Wenn ich sterbe, habe ich keine Pro­bleme mehr. Werde ich irrepa­ra­bel ver­letzt, bin ich auf Hilfe ange­wie­sen und habe ganz andere Pro­bleme. Doch auch hier weiß ich durch schwere Ver­let­zun­gen, die ich bereits durch­ge­macht habe, dass man sich dem anpas­sen und damit zurecht­kom­men kann. Ebenso ist es mit den Lebens­um­stän­den. Wer ist so fle­xi­bel und anpas­sungs­fä­hig bis ins hohe Alter, wenn nicht wir Hoch­sen­si­blen?

Was habe ich also zu befürch­ten? Nichts. Meine Wahr­neh­mung und mein gutes Gefühl wer­den mich immer lei­ten, solange ich dar­auf höre. Und seien wir mal ganz ehr­lich. Hast du in Kri­sen­si­tua­tio­nen nicht auch schon bemerkt, dass du der­je­nige oder die­je­nige warst, die den kla­ren Kopf behal­ten hat und sich instink­tiv auf deine Wahr­neh­mung und dein Gefühl ver­las­sen konn­test? Wir Hoch­sen­si­blen sind Meis­ter der Kri­sen­be­wäl­ti­gung.

Da wir sehr sicher­heits­be­wusst sind, ist es för­der­lich, wenn man sich zumin­dest ein klei­nes Sicher­heits­re­ser­voir schafft. Lege zum Bei­spiel 15 – 30 % dei­nes monat­li­chen Ein­kom­mens für unvor­her­ge­se­hene Vor­komm­nisse zur Seite. Ver­schaffe dir einen Beruf, der dir ent­spricht und in dem du dich wohl und sicher fühlst. Kaufe dir ein Haus oder miete eine Woh­nung, die dir ent­spricht und die deine Bedürf­nisse erfül­len. Schaffe dir eine sichere Umge­bung. Auch wenn es einige Jahre dau­ern sollte, bis du an die­sem Punkt sein wirst. Beginne JETZT damit. Befrie­dige dein Sicher­heits­be­dürf­nis. Aber über­treibe dabei nicht. Denn im End­ef­fekt gibt es keine wirk­li­che Sicher­heit auf die­ser Welt.

Angst vor dem Tod

Selbst bei spi­ri­tu­el­len Men­schen ist die Angst vor dem Tod weit ver­brei­tet. Erst recht bei Men­schen, die glau­ben, wir haben nur die­ses eine Leben und danach käme nichts mehr. Egal was du glaubst, du kannst auch diese Angst über­win­den.

Die Angst vor dem Tod resul­tiert haupt­säch­lich dar­aus, dass du dich nicht mit dem Thema beschäf­tigst. Du schiebst es immer nach hin­ten, da dein eige­ner Tod ja mög­lichst weit ent­fernt sein soll. Du magst nicht dar­über nach­den­ken, wie es sein könnte, wenn dir nahe­ste­hende Per­so­nen ster­ben. Du magst nicht an den Tod dei­ner Eltern, dei­ner Geschwis­ter, Kin­der oder Enkel den­ken. Das ist nur natür­lich und mensch­lich. Wir ver­drän­gen gerne die unan­ge­neh­men Aspekte des Lebens. Doch der Tod ist unaus­weich­lich. Jedes Leben endet mit ihm und nie­mand ist unsterb­lich.

Als ich vier war, ver­lor ich mei­nen heiß gelieb­ten Groß­va­ter, auf des­sen Schoß ich geses­sen und des­sen Geschich­ten ich gelauscht habe. Ich lernte ihn lei­der nie so gut ken­nen, wie ich wollte. Als ich elf war, ver­starb meine Groß­mutter ganz ohne Vor­war­nung. Sie wurde plötz­lich aus mei­nem Leben geris­sen. Seit­her habe ich mich mit dem Tod beschäf­tigt. Ich ver­lor im Laufe der Zeit meh­rere Ver­wandte und auch einige Freunde. Meine Mut­ter ist vor eini­gen Jah­ren bei­nahe gestor­ben.

Ich selbst bin oft­mals nur haar­scharf dem Tod von der Schippe gesprun­gen. Sei es als Rad­fah­rer durch unauf­merk­same Auto­fah­rer, die mor­gens um 7 Uhr mit 100 Sachen inner­orts rote Ampeln über­fuh­ren, die ich gerade über­que­ren wollte. Oder bei Unfäl­len, die mir leicht einen Genick­bruch oder ein Loch im Kopf hät­ten ein­brin­gen kön­nen, bei Woh­nungs­re­no­vie­run­gen oder hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten. Der Tod ist uns jeden Tag auf den Fer­sen.

Der Tod ist auch der Grund für die Angst vor Atten­ta­ten, Ter­ror­an­schlä­gen und Amok­läu­fen. Ein Opfer sol­cher Unglü­cke zu wer­den ist bei­nahe genauso wahr­schein­lich, wie vom Blitz getrof­fen zu wer­den. Doch da die Taten von Men­schen began­gen wer­den und von den Medien rei­ße­risch aus­ge­schlach­tet, erschei­nen sie uns näher und wirk­li­cher als der Blitz­ein­schlag.

Was ich in Bezug auf das Leben nach dem Tod glaube, steht hier nicht zur Dis­kus­sion. Mein Tes­ta­ment ist schon lange fer­tig und meine Pati­en­ten­ver­fü­gung eben­falls. Ich habe mich aus­rei­chend mit dem Able­ben mei­ner nahen Ver­wand­ten beschäf­tigt und natür­lich auch mit mei­nem eige­nen. Ich bin zu dem Schluss gekom­men, dass nichts diese ver­hin­dern kann. Warum sollte ich also Angst davor haben?

Wenn man genau hin­schaut pas­siert Fol­gen­des: Ein gelieb­ter Mensch ver­stirbt. Man ist trau­rig und wütend, egal aus wel­chem Grund. Der Mensch ist zu früh, zu grau­sam, zu lang­sam, zu schnell ver­stor­ben. Man konnte sich nicht mehr ver­ab­schie­den, oder der Abschied ist einem unend­lich schwer­ge­fal­len. Dann kommt die Trau­er­ar­beit. Der Ver­lust muss immer ver­ar­bei­tet wer­den. Geschieht dies nicht, kann das Loch, das der Mensch in dei­nem Leben hin­ter­las­sen hat, nie­mals ver­hei­len. Nach der Trau­er­ar­beit geht das Leben nor­mal wei­ter. Man ver­misst den Men­schen und denkt an ihn. Zunächst täg­lich, dann wöchent­lich und dann womög­lich immer sel­te­ner. Je nach­dem, wie sehr man an ihm gehan­gen hat. Solange er nicht ver­ges­sen ist, lebt er in dir wei­ter. Wenn du ihn ver­gisst, merkst du es nicht mal. Dein eige­ner Tod wird genauso ablau­fen – für die Men­schen um dich herum. Für dich wird es erst mal ein­fach vor­bei sein. Nach­her wirst du viel­leicht fest­stel­len, wie das mit dem Leben nach dem Tod wirk­lich ist. Oder dein Kör­per liegt in einem Sarg und wird lang­sam zer­setzt. Dann wirst du das auch nicht mehr mit­be­kom­men.

Dies alles hört sich sehr herz­los an, ist aber nur ratio­nal betrach­tet. Ratio­nal kann man mit dem Tod am bes­ten umge­hen.

Der Schre­cken, den der Tod birgt, kann er nur über dich aus­üben, wenn du weg­schaust und er in deine Augen­win­kel kriecht und sich lang­sam nähert. Schaust du ihn an, wirst du fest­stel­len, dass er etwas ganz Natür­li­ches ist. Vor der Geburt eines neuen Men­schen hast du doch auch keine Angst.

Wenn du im Hier und Jetzt lebst und die Men­schen um dich herum so stark liebst, wie es dir mög­lich ist und ihnen die ent­spre­chende Auf­merk­sam­keit und Zeit schenkst, dann brauchst du dich nicht ver­las­sen füh­len. Dann hat­test du eine schöne Zeit mit ihnen, durf­test viel mit ihnen tei­len. Der Tod ist nie­mals ein sau­be­rer Schnitt. Er hin­ter­lässt immer lose Enden, die die Über­le­ben­den zusam­men­bin­den müs­sen.

Soll­test du den Tod fürch­ten, weil du in dei­nem Leben noch nichts bewerk­stel­ligt hast, das dei­nen Tod über­dau­ert, dann mach dir klar, dass kaum jemand dies ver­mag. Die gro­ßen Schrift­stel­ler, Künst­ler, Wei­sen, Bau­meis­ter usw., die die Jahr­tau­sende über­dau­ern, sind nur ein Tröpf­chen im Meer derer, die in den Jahr­tau­sen­den ver­ges­sen wur­den. Das ist auch gar nicht schlimm. Es ist viel wich­ti­ger, dass du dei­nen Lie­ben um dich herum in mög­lichst guter Erin­ne­rung bleibst. Ver­bringe also mehr Zeit mit dei­nen Lie­ben, als dich um dein Erbe zu küm­mern.

Zur Über­win­dung der Angst vor dem Tod soll­test du dich genau mit ihm beschäf­ti­gen und ihn als etwas anse­hen, das ebenso zu dei­nem Leben gehört, wie die Men­schen um dich herum, unsere Natur und alles, was der Mensch geschaf­fen hat. Er ist natür­lich und du kannst ihn anneh­men, ohne ihn zu fürch­ten. Du musst ihn nicht gut­hei­ßen, doch akzep­tie­ren soll­test du ihn.

Ver­wandt mit der Angst vor dem Tod ist die Angst zu altern. Diese befällt vor allem Men­schen, die auf ihr Äuße­res fixiert sind. Hier ist es genauso, wie mit dem Tod: Das Alter rückt unauf­halt­sam näher. Anstatt alle mög­li­chen Ver­ren­kun­gen zu ver­an­stal­ten, das Alter so lange wie mög­lich hin­aus­zu­zö­gern, soll­test du lie­ber diese Zeit auf die Men­schen um dich herum ver­wen­den. Das wird eher gut tun. Men­schen, die dich rein nach dei­nem Äuße­ren bewer­ten, sind dir als HSP eigent­lich nicht wirk­lich wich­tig. Sie sind ober­fläch­lich und schreck­lich lang­wei­lig. Die ihnen feh­lende Tiefe wirst du bei Men­schen fin­den, die du ken­nen lernst, wenn du dich als hoch­sen­si­ble Per­son annimmst und liebst. Die mit dem Alter kom­men­den Zip­per­lein und Krank­hei­ten sind vor­be­stimmt durch deine Gene und dei­nen Lebens­wan­del. Da kann man sowieso nicht viel machen. Also auch die akzep­tie­ren und das Beste dar­aus machen.

Die Angst vor dem Altern ist schlim­mer, als das Alter selbst.

Wenn du alle Ängste besei­tigt hast, die dich hin­dern du selbst zu sein, was pas­siert dann?

Du wirst nicht etwa zu einem Psy­cho­pa­then oder Sozio­pa­then, son­dern du erlangst das Urver­trauen. Wenn du deine Ängste über­win­dest oder los­lässt, dann kannst du nicht nur zu einem guten Men­schen, son­dern zu einem lie­be­vol­len – von Liebe erfüll­ten – groß­ar­ti­gen Men­schen wer­den.

<Dua­li­tät Angst und Liebe Per­fek­tio­nis­mus>