In meh­re­ren Büchern und Arti­keln, die ich über Hoch­sen­si­bi­li­tät gele­sen habe, beschrei­ben die Autoren eine Art innere Fami­lie, die jedem Men­schen inne­wohnt. Sie besteht aus drei Par­teien. Sieg­mund Freud nannte sie ES, ICH und ÜBER-ICH. Das ES steht für unser Unter­be­wusst­sein, die Triebe, Bedürf­nisse und Libido, kurz das Lust­prin­zip. Das ICH steht bei ihm für den kri­ti­schen Ver­stand, Trieb­ver­zicht und ‑auf­schub, das Rea­li­täts­prin­zip. Zuletzt steht das Über-Ich für Gebote und Ver­bote, also die Mora­li­sche Instanz.

Ich finde es tref­fen­der diese Ein­hei­ten – wie Luca Roh­le­der in »Die Beru­fung für Hoch­sen­si­ble« – als Neu­ge­bo­re­nen-Ich, Erwach­se­nen-Ich und Höhe­res-Ich zu titu­lie­ren und ein biss­chen abzu­wan­deln. Das Modell, das ich hier refe­ren­ziere, ist bekannt als Drei-Ich-Modell nach Roh­le­der©. Warum benutze ich die­ses Modell? Ich habe meh­rere Gedan­ken­mo­delle aus­pro­biert, doch sie alle haben mich nicht so erreicht, wie das Modell nach Herrn Roh­le­der. Es ist ganz ein­fach auf­ge­baut, leicht zu ver­ste­hen und bringt das auf den Punkt, was mir bei den meis­ten Gedan­ken­mo­del­len gefehlt hat: Es erklärt ganz schlicht, wie das Ego (der Kopf, das Hirn, die Gedan­ken­kreise) unse­rem rest­li­chen Wesen im Weg ste­hen. Wenn du also das Gefühl hast, dass du dir oft selbst im Weg stehst, dann wirst du dich viel­leicht hier wie­der­fin­den.

Viele Autoren nen­nen das Neu­ge­bo­re­nen-Ich das »innere Kind«. Doch das traf bei mir nicht zu. Das Neu­ge­bo­re­nen-Ich weist nicht die Merk­male eines Kin­des auf, son­dern die eines Babys. Seit­dem ich gedank­lich diese kleine Ände­rung vor­ge­nom­men habe, ist das Fami­li­en­bild in mir stim­mig.

Jeder Mensch besitzt diese innere Fami­lie, das ist kein allei­ni­ges Merk­mal der Hoch­sen­si­blen. Wir neh­men die ein­zel­nen Teile nur anders und stär­ker wahr als Nor­mal­sen­si­ble.

Die Eigen­schaf­ten der ein­zel­nen Ichs sind schnell erklärt.

Das Neu­ge­bo­re­nen-Ich ist wie ein Baby, das haupt­säch­lich unsere Grund­be­dürf­nisse steu­ert und auf sie auf­merk­sam macht. Es mel­det sich, wenn du Hun­ger oder Durst ver­spürst, müde bist, sexu­elle oder emo­tio­nale Bedürf­nisse hast. Es ist gleich­zei­tig deine Ver­bin­dung zu dei­nen Emo­tio­nen (Herz) und dei­ner Empa­thie. Außer­dem ist es genauso emp­find­lich und emp­find­sam wie ein Baby.

Das Erwach­se­nen-Ich koor­di­niert dein Leben bewusst. Man könnte es als die intel­lek­tu­elle Ebene (Kopf) bezeich­nen. Sie beher­bergt den Teil, der ana­ly­siert, vor­aus­schau­end plant, Gefah­ren und Gele­gen­hei­ten ent­deckt und abwägt, wie man ihnen begeg­nen oder sie nut­zen sollte und sich mit der Wis­sens­auf­nahme und Ver­ar­bei­tung beschäf­tigt. Es ist der Ursprung der so genann­ten Gedan­ken­kreise und des Gedan­ken­stroms.

Das Höhere-Ich ist die unter­be­wusste Ebene, die die Ver­bin­dung zu ande­ren Men­schen und zu Tie­ren auf­baut und sie ver­wal­tet (Seele). Es ist dein so genann­tes »Gefühl« oder eine »Vor­ah­nung«, genauso wie die Ebene, die Zufälle her­bei­führt, damit du Dinge und Hilfe bekommst, durch die du dich ent­wi­ckeln kannst.

Ich weise dar­auf hin, dass die von mir zusam­men­ge­stell­ten fol­gen­den Kapi­tel eine ein­fa­che Inter­pre­ta­tion und Erklä­rung der The­sen aus ver­schie­de­nen Fach­bü­chern von Rolf Sel­lin und Luca Roh­le­der sind und nur einen ein­fa­chen Teil des Spek­trums abbil­den. Zudem habe ich eigene Erfah­run­gen und Berichte Drit­ter mit ein­be­zo­gen. Wer sich tief grei­fen­der mit den The­men beschäf­ti­gen möchte, den weise ich auf die Buch­emp­feh­lun­gen am Ende des Buchs hin.

<Was ist Urver­trauen? Neu­ge­bo­re­nen-Ich>

Sie befin­den sich mit­ten im Buch. Star­ten Sie mit dem Lesen bitte am Anfang.
Ich bitte Sie, das Vor­wort und das Kapi­tel Selbst­ent­wick­lung zu lesen, bevor Sie fort­fah­ren.

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